Neues Fahrrad von Rixe

Aua… Aua… Aua…

OK, da ich leider gerade nicht an mein Photoshop ran kann, weil der blöde alternative Grafiktreiber irgendwelche Zicken macht und ich über Nacht erstmal die Sicherung von gestern (vor der Installation) reaktivieren muss, blogge ich eben mal schnell wieder einige Zeilen.

Heute tut mir alles weh…. vor allem aber die Beine, besser gesagt die Oberschenkel.

Gestern war Sattel-Fest hier in Hamm. Eine Veranstaltung für Radfahrer, also so eine Radtour, bei der Hinz und Kunz auf oftmals extra dafür gesperrten Straßen durch die Gegend radeln kann… Brauch ich eigentlich echt nicht sowas, mit tausenden Radlern irgendwie eine vorgegebene Strecke abzuradeln. Sowas kenne ich schon aus aus Süddeutschland bzw. damals auch noch vom ADFC begleitet genug.

Zuerst hatte ich mir überlegt doch mitzuradeln, denn ich habe (wie ihr unten noch sehen werdet) eine Halterung für meine Action-Cam am Fahrrad montiert und habe mir überlegt, ob ich vielleicht einmal die Strecke filmen sollte, wenn ich sie abfahre… aber dann fiel mir ein, dass wir ja in Deutschland sind. In Deutschland gibt es bei so einer Veranstaltung, wenn man gar nicht die Möglichkeit hat jeden Radfahrer (der da vor die Kamera kommt) nach seinem gnädigen Einverständnis zu fragen, nur Ärger mit den Persönlichkeitsrechten usw…. das lasse ich also mal lieber, auch wenn es sicher ein spaßiges Video gewesen wäre.

Nun, wie gesagt: da dies der einzige Grund für mich gewesen wäre die Strecke zu fahren, habe ich sonst einfach keine Lust gehabt an der Tour teilzunehmen. Viel lieber wollte ich in den Kurpark fahren und mich dort auf den Veranstaltungen etwas umschauen, zumal es dort auch eine Fundräder-Auktion gegeben hätte… hätte… hätte.. Fahrradkette (wie hierzulande man so schön sagt, weil es auch so gut zum Thema passt).

Noch nicht einmal wirklich am Kurpark angekommen traf ich auf zwei junge Mädels, die sich bei meinem Fotoprojekt als Models für ein Fotoshooting beworben hatten und die gerade im Begriff waren die Tour in Richtung Soest zu starten. Ich hätte sie gar nicht mal erkannt (sorry, aber bei so vielen eingetragenen Models…) und sie mich vom Gesicht her wohl auch nicht, aber weil ich gerade eines meiner Fotografen-Tshirts mit der URL trug, wurde ich dann doch erkannt.

Da sie mich fragten, ob ich nicht Lust hätte an der Tour mit ihnen zusammen teilzunehmen, habe ich natürlich “Ja” gesagt und Fundräder-Auktion erstmal links liegen lassen, weil ich ohnehin viel zu früh dafür im Kurpark gewesen wäre.

Tja und das war der Fehler des Tages.

Facebook Status vom 23.07.2017
Facebook Status vom 23.07.2017

Ich war gar nicht für die Fahrt nach Soest irgendwie vorbereitet. In der Nacht zuvor hatte ich gerade einmal knapp mehr als drei Stunden geschlafen, denn um 04:00 Uhr lag ich noch immer hellwach und tödlich gelangweilt im Bett und kurz nach 07:00 Uhr stand ich schon wieder unter der Dusche. Außerdem hatte ich quasi nichts dabei (kein Wasser, keine vernünftige Kleidung usw), denn ich wollte ja nur mal kurz rüber zum Kurpark radeln – eigentlich.

Aber ich bin jetzt in einem Alter, in dem man(n) selten Gelegenheit hat mal ein paar Stunden mit netten jungen Mädels zu verbringen, wenn es nicht um ganz bestimmte zweckgebundene Zeit (z.b. für Fotoshootings) geht und daher wollte ich später nicht bereuen das Angebot ausgeschlagen zu haben.

Außerdem, hey…. früher war ich echt fit auf dem Rad und sooooo lange ist das ja auch nicht her.

Ok, machen wir es kurz: die Mädels hatten einen Drive drauf, bei dem ich einfach kaum noch mithalten konnte. Kein Wunder, die hatten 20 Jahre und circa 50kg weniger zu transportieren als ich. Ich hatte also echt Probleme da mitzuhalten, aber habe natürlich dennoch mein Bestes gegeben.

Ziemlich erschwert wurde die Sache dadurch, dass es hier in NRW wohl absolut unüblich zu sein scheint auf der rechten Seite einer Straße oder eines Weges zu fahren, solange kein Gegenverkehr kommt. Das erschwert es echt zu überholen, wenn gerade mal drei Radler die ganze Straße brauchen. Ich kann es echt nicht leiden, wenn Leute so fahren, als gäbe es keinen rückwärtigen Verkehr, der evtl. auch mal überholen will… und dieses ewige beschleunigen und abbremsen zehrte wohl am meisten an meinen völlig untrainierten Muskeln.

Am Ende der Tour (vor Soest) war ich dann schon “fick und fertig” und war eigentlich auch davon ausgegangen, dass “wir” nach einer kurzen Pause (mal was trinken wäre nicht schlecht gewesen, denn mein Flaschenhalter war leer) mit einem der Sonderzüge dann nach Hamm zurückdüsen… doch das vermeintliche “Ende” der Tour stellte sich dann nur als “Wendepunkt” heraus, denn die Mädels wollten auch wieder den ganzen Weg zurückfahren. Ich wurde auch schon etwas bemitleidend ob meines offensichtlichen Zustandes belächelt – und das konnte ich natürlich NICHT auf mir sitzen lassen.

Tja… und das war Fehler Nummer zwei an dem Tag.

Der Rückweg aus Richtung Soest war dann echt richtig heftig und es ist mir eigentlich schon peinlich das überhaupt schreiben zu müssen… früher (ja, “früher” ist eben doch schon länger her als ich dachte) waren Touren mit 100-150km mit meinem Paps zusammen absolut keine Seltenheit und das auch noch in Süddeutschland (hoch-runter-hoch-runter)… da hätte ich doch nie gedacht, dass mir die paar Kilometer hier im flachen Land nach Soest soviel ausmachen würden!

In der Nähe von Osttünnen war es dann, wo sich meine Mädels verabschiedeten, weil der Weg nach Hause sie von der Tourenstrecke wegführte. Ich “fuhr” dann eben allein weiter, wobei man das eigentlich nicht mehr “fahren” nennen kann, denn ich kullerte mehr oder weniger im zweiten Gang über die Straße und mein Navi fragte mich angesichts der festgestellten Geschwindigkeit, ob ich auf Fußgänger-Navigation umschalten wollte. Ja, danke auch, Software.

In Osttünnen war dann die nächste Möglichkeit sich verpflegen zu lassen, was ich auch sofort genutzt habe. Ich wäre bereit gewesen alles zu tun für zuckrige ungesunde Limonade und irgendwas heißes fettig Salziges… und ich roch auch schon den Grill direkt neben dem Getränkestand! Es roch nach Grillfleisch und Fett und Kalorien und Salz und Marinade…. ich war im Himmel (!!!) – dachte ich.

Tatsächlich traf ich aber – ausgehungert wie ich war – hier in diesem kleinen Dörflein in Ost-Westfalen auf den (ungelogen) allerersten Grillstand in meinem Leben, der bei einem vereinsartig organisierten Fest zwar Würstchen und Steaks anbot, aber überhaupt keine Pommes.!

WHAT THE….

Natürlich liebe ich Fleisch! Ich LIEBE (!!!) Fleisch und ich würde ja schon im Normalzustand für ein saftiges Steak sterben…. aber ich habe mir eben vor 10 Monaten vorgenommen aus Gründen des Karmas kein Fleisch mehr zu essen, egal wie geil ich darauf bin…. und noch nie war es für mich so schwer wie gestern (ausgehungert vor diesem leckeren Steakgrill stehend) meiner Überzeugung treu zu bleiben…. aber ich habe es geschafft!

Heute bin ich da auch schon ein wenig stolz drauf.

Ich habe mir also meine Cola gegriffen und hab mich erstmal ins Gras geworfen. Meine Oberschenkel haben sich schon seit der Ankunft vor Soest übersäuert gemeldet und seither war Tritt für Tritt immer weniger Kraft aus ihnen herauszuholen. Jetzt im Gras liegend hatte ich echt Bedenken, ob ich es überhaupt wieder aufs Fahrrad schaffe. Dementsprechend habe ich mir dann Zeit genommen.

Facebook-Status vom 23.07.17
Facebook-Status vom 23.07.17

Später (dann schon im Sitzen) hab ich mir wenigstens noch einen Crepe und eine zweite Flasche gegönnt (und beides gleich mal in Facebook dokumentiert)… aber so ein süßer Crepe ersetzt einfach keine fettig salzigen Pommes, auf die ich selbst heute (einen Tag später) noch immer Heißhunger habe.

Als ich es dann gewagt habe wieder aufs Rad zu sitzen und dabei war meine Muskeln zu überreden sich nochmal anzustrengen, auch wenn keine hübschen Mädels mehr dabei sind, vor denen man sich sonst echt als alter Mann darstellt, habe ich mich dann doch gefragt, ob das alles so vernünftig war.

Nein, das war es natürlich nicht. Aber es war eine Erfahrung.

Eine weitere Erfahrung machte ich dann ca. zwei Kilometer weiter, denn bei der nächsten Bewirtungsmöglichkeit entlang der Strecke gab es dann Pommes…. WAR JA KLAR! Aber ich wollte jetzt einfach nicht gleich schon wieder anhalten, denn ich wollte eigentlich nur noch nach Hause.

Mühsam war es. Tritt für Tritt und Meter für Meter. Wenn die Muskeln erstmal sauer sind, dann ist da eben nur noch heiße Luft drin. Zwischendurch kam ich an einem Unfall vorbei, denn ein Radfahrer war gestürzt und saß leicht blutend im Straßengraben. Da ich nie ohne Helm, Pannenausrüstung und vor allem Verbandszeug auf dem Fahrrad unterwegs bin, hab ich noch kurz angehalten und gefragt, ob Erste Hilfe benötigt würde, aber es waren schon Ersthelfer am Werk, der Krankenwagen unterwegs und Verbandszeug wurde keines benötigt, also fuhr ich weiter…. aber so beim Weiterfahren hatte ich den Gedanken, dass ich den Verunfallten fast ein wenig beneide, denn er wird in wenigen Minuten von einem Auto transportiert, während ich noch immer Tritt für Tritt meinen Oberschenkeln einen guten Grund geben musste nicht einfach das Strecken und Zusammenziehen komplett sein zu lassen.

Nun gut, ich habe es nach Hause geschafft. Für dieses letzte lächerliche Stück der Strecke habe ich mehr Zeit gebraucht als für den kompletten Hinweg von Hamm bis zum Wendepunkt. Das Fahrrad kann ja nichts dafür, deshalb habe ich es noch mit der gebotenen Liebe und Sorgfalt im Keller abgestellt und verschlossen… aber die Treppen vom Keller bis zum mir in den dritten Stock nahm ich dann einzeln im Abstand von ca. 10-15 Sekunden pro Schritt/Treppe und mich mehr am Geländer entlangziehend als auf der Treppe gehend.

Eigentlich hätte im Keller noch eine Ladung frisch gewaschene Wäsche darauf gewartet von mir nach oben getragen zu werden, aber die konnte mir gestern einfach gestohlen bleiben. Zuhause angekommen gab es dann erstmal eine sehr sehr ausgedehnte kühle Dusche für jeden Muskel, den ich gerade fühlte und den Rest des Tages tat ich keinen Schritt mehr aus dem Bett, der nicht unbedingt sein musste.

Vom heutigen Morgen auf der Arbeit rede ich gar nicht erst. Die paar Treppen zu meinem Büro waren eine Tortour … und zwar jedes Mal wenn ich es verlassen und zurückkehren musste. Erst im Laufe des Tages war es dann zumindest soweit besser, dass ich wieder einigermaßen einen normalen Bewegungsablauf hatte und beim Laufen nicht mehr wie Quasimodo aussah.

Ja, es war mir eine Lehre. Absolut. Ich habe die Größenordnung “Früher” deutlich unterschätzt und total vergessen wie wenig ich in Form bin im Vergleich zu damals. Es war eine erschreckend falsche Selbsteinschätzung…. aber das hat auch etwas Gutes. Ich habe mich seit langer Zeit nicht mehr so motiviert gefühlt wie heute etwas an meinem konditionellen Zustand zu verändern …. und wer weiß, wenn der gestrige Tag hilft, dass ich das mit mehr Engagement verfolge, dann war es doch gar nicht sooooo schlimm, wie es sich im Moment noch in meinen Beinen anfühlt?!

Zum Ende (und weil ich bei einem früheren Artikel so über die Radwege in Hamm hergezogen bin), zeige ich euch noch ein kleines Testvideo, das ich bei meinem Rückweg vom Supermarkt mal aufgenommen habe… da sieht es noch so schön leicht und luftig aus, aber das sind ja auch nur ca. 1,5km bis 2km auf einer Strecke, auf der man wegen Radwegen eigentlich echt nicht schimpfen darf….

Aber bis der Muskelkater rum ist, werdet ihr mich erstmal nicht auf einem Fahrrad sehen….

In diesem Sinne, liebe Grüße
euer Oliver

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