Facebook-Status Eiersuche

Auf Eiersuche

Als ich mir vor einigen Tagen gewahr wurde, dass ich ein paar hartgekochte Eier im Haus habe und ich gleichzeitig merkte, wie wenig Lust ich hatte in der Küche jetzt viel Zeit mit der Zubereitung von Nahrung zu verbringen, hatte ich mich kurzerhand einfach mal über die hartgekochten Eier hergemacht.

Über alle.
Ach ja… die Eier waren übrigens gefärbt.
Und sie waren von meiner Freundin mitgebracht.

Heute nun, am Ostersonntag, gleich nachdem sich meine Freundin (am späteren Vormittag) erhob, war ihre Verwunderung groß, dass die gefärbten Eier nicht mehr da waren. „Wohin hast Du die hingeräumt?“ war ihre Frage und meine Antwort „In den Magen.“ war wohl etwas unerwartet.

Tja, wer hätte das gedacht, dass jemand, der das ganze Jahr keine Kirche von innen sieht, so viel Wert auf bunte Frühstückseier zu Ostern legt?

Aber egal wie (un-)vorhersehbar die Auswirkung der Verspeisung der Eier für mich gewesen sein mag: das schlechte Gewissen meinerseits regte sich natürlich umgehend mit der üblichen Verlässlichkeit und (wie das eben so ist) sowas wird man nur los, wenn man(n) sich dem auch stellt.

Also hab ich mir mal die Aufgabe gestellt, am späten Sonntagvormittag irgendwo bunte hartgekochte Ostereier zu besorgen…

Sicher hätte meine Hausmitbewohnerin, die unter mir wohnt, auch welche parat gehabt (da steht schon seit Tagen wieder Oster-Dekoration vor der Türe), aber das war mir dann doch irgendwie zu privat bzw. zu nahe dran um jetzt ostereierplanungstechnisch die Hosen runterzulassen….

Also ab ins Auto und erstmal einen Facebook-Status (daher stammt das Bild zum Beitrag) posten. 🙂

Gar nicht weit von mir gibt es einen Bauern, der die Milch seiner Kühe direkt vermarktet und wo man sich bis Abends 22 Uhr immer frische Milch aus dem Automaten ziehen kann. Dort gibt es auch seit einiger Zeit schon einen Automaten mit anderen frischen heimischen Produkten wie zum Beispiel Wurstwaren, Honig und (das war mir noch im Gedächtnis) auch Eier.

Vielleicht – so meine Überlegung – habe ich ja Glück und es gibt anlassbezogen auch ein paar gefärbte Eier für Ostermuffel, die sich nicht die Arbeit mit dem Selbstfärben machen wollen… aber leider war das eine Vermutung, die sich nicht mit der Realität deckte. Eier gab es, aber leider nur in den natürlichen Farben (braun und weiß).

Hmm… mal überlegen… bunte hartgekochte Eier an einem Sonntag zu Ostern….?

Mir war so in Erinnerung, als hätte ich mal irgendwann in früheren Jahren so eine Palette mit bunten Eiern bei Bäckern auf einer Theke gesehen, die auch Kaffee und Frühstück anboten. Insgesamt 3 (drei!) Bäcker bin ich angefahren und bin dort in Kundenschlangen gestanden, habe zwar ein extrem leckeres Baguette bekommen, aber leider nicht ein einziges Ei… und erst recht kein buntes und hartgekochtes.

Aber gut, ich wäre  nicht ich, wenn ich nicht noch einen Plan C gehabt hätte. So fuhr ich zur Autobahn, denn dort ist nicht nur eine Benzin-Tanke, sondern auch ein Autohof der Frühstücks-Brunch anbietet und einer von den beiden wird doch sicher bunte hartgekochte…. HMPF!

Na gut, aber vielleicht wenigstens was aus Schokolade, so Überraschungseier in lila/pink für Mädchen oder so…. das wird doch sicher in der Tanke im Süßigkeitenregal…. HMPF!!!

Also: zwar schon wieder viele Kilometer auf dem Tacho, aber dennoch Plan-A im Eimer, Plan-B im Kübel und Plan-C konnte ich auch in die Tonne werfen…. alles kein Ruhmesblatt für den Schweinekerl, der (zwar unwissentlich und ohne böse Absicht, aber dennoch ausreichend schuldig für ein schlechtes Gewissen) das Ostersonntag-Frühstück versaut hat.

Beim Bauer war ich wenigstens so geistesgegenwärtig gewesen mir eine Packung „normale“ braune Eier (sozusagen „true Chicken-Style“) aus dem Automaten zu ziehen um wenigstens selbst zuhause noch Eier kochen zu können – auch wenn ich sie mangels Farbe nicht hätte färben können.

Und wie ich so auf dem Rückweg und schon fast wieder in Hamm war, fiel mir ein Schild am Straßenrand ein, an dem ich bereits vor einigen Minuten vorbeigefahren war (bzw. an dem ich in den letzten Jahren bestimmt schon hundert Mal vorbeigefahren bin), das ich aber bisher immer konsequent ignoriert habe. Vielleicht hatte ich das nicht mehr so richtig aktiv im Kopf, weil auf dem Bild das Wort „Spargel“ steht (und Spargel ist für mich weniger ein Nahrungsmittel sondern eher eine Strafe), aber jetzt fiel mir eben wieder ein, dass darauf auch das Wort „Hofladen“ gestanden haben muss.

„Ein Versuch ist es sicher wert!“ dachte ich mir und drehte nochmal in Richtung Autobahn um.

Aus einer früheren Beziehung (mit einer Freundin, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf einem Bio-Bauernhof machte) wusste ich noch, dass Hofläden oft auch Sonntags ihre Waren anbieten… und TATSÄCHLICH (!) hatte ich mich meiner Vermutung nicht getäuscht!

Was mich erwartete, nachdem ich an der Kreuzung in die Fahrtrichtung abbog, die ich bisher immer konsequent ignoriert hatte, war ein wirklich sehr schön gelegenes und sehr ansprechend gestaltetes Landgut mit einem großzügigen Parkplatz direkt neben einem wirklich idyllisch gestalteten Hof, der vor dem Eingang zum Hofladen lag.

Eingang zum Hofladen "Tante Malchen" bei Hamm
Eingang zum Hofladen nebst Landcafé „Tante Malchen“ bei Hamm

Der Hofladen nannte sich „Tante Malchen“ war in seinem Angebot ziemlich umfangreich, was ich auf den ersten Blick sehen konnte (ich war bereits ziemlich in Eile, denn ich war ja schon eine ganze Weile auf Eiersuche).

Eigentlich ist es auch viel mehr als nur ein Hofladen, denn dort gibt es auch ein Landcafé bzw. eine Gastronomie, die sehr gemütlich aussieht und laut Webseite gibt es dort echt leckere Sachen.

Meine etwas hektische Anfrage, die sicher ziemlich hilflos wirkte (oder so, als wäre da mal wieder jemand von Ostern völlig unvorhersehbar überrascht worden), wurde sehr freundlich und professionell mit einer kleinen Führung hin zu einer Schale mit bunten hartgekochten Eiern beantwortet.

ENDLICH!!!
EIER!
BUNT UND HARTGEKOCHT!
MEIN TICKET NACH HAUSE!

Fünf bunte hartgekochte gekaufte Eier und zwei sehr freudestrahlend ausgegebene Euro später war ich dann endlich wieder auf dem Rückweg nach Hause…. zusammen im Auto mit einer Packung ungekochter unbunter True-Chicken-Style-Eier, einem Baguette auf dem Beifahrersitz und einem ersten leichten Silberstreif am tiefdunklen Horizont meines sehr schlechten Ostersonntag-Frühstück-Gewissens.

MISSION ACCOMPLISHED.

P.s. den Hofladen von Tante Malchen werde ich gewiss nun häufiger mal besuchen!

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