Musik-Konzert

Das letzte Konzert

Au weh, ist DAS lange her seit ich zuletzt auf einem richtigen Konzert war… das muss vor zwei oder drei Jahren gewesen sein… „ASP“ in Oberhausen… seither war ich auf keinem Konzert mehr… und davor war auch auch lange lange lange Zeit Pause seit ich auf einem richtigen Konzert war.

Sicher, wenn mal eine Veransaltung war zu der Live-Musik abends gespielt wurde (z.B. ein Mittelalter-Markt oder so), dann war ich dort, aber extra nur für ein Konzert irgendwo hin fahren, das ist einfach nicht so mein Ding.

Ich glaube, das letzte echte Konzert vor ASP muss „Qntal“ gewesen sein. Das war in der Zeche Carl in Essen-Altenessen, wenn ich mich richtig erinnere und das ist schon richtig lange her. An das Konzert hab ich auch keine so tollen Erinnerungen, weil Syrah viel Zeit zwischen den Songs damit verbracht hat sich über den Disco-Nebel zu ärgern, der sie am Singen hinderte…. aber gut, das ist vielleicht auch von der Tagesform abhängig.

Aber mal ganz generell gefragt: Warum geh ich so selten auf Konzerte?

Dafür gibt es mehrere Gründe….

1. Der Sound
In 99% aller Fälle hab ich mehr Freude an einem gut aufgenommenen und tonmäßig durchdesignten Studioalbum als an einer Live-Performance. Ich brauch den Künstler nicht in Fleisch und Blut vor mir sehen… und ich brauch auch sein Live-Gesinge nicht, weil das naturgemäß einfach nicht so perfekt ist wie im Studio (wo man für jeden Takt einhundert Takes aufnehmen kann).

2. Mich interessiert nicht der Mensch, sondern das Produkt
Fan-Kultur als solches ist mir auch fremd. Ich liebe zwar die Musik bestimmter Künstler, aber die könnten sonst auch bei Aldi vor mir an der Kasse stehen ohne dass ich deswegen Anstalten machen würde, denn es geht mir nie um die Person, sondern um die Musik.

3. Das Vorspiel
Mit der Stimmung auf einem Konzert kann ich auch wenig anfangen. Da stehen mir einfach zu viele Leute rum und drücken dich dauernd in irgendeine Richtung… dann muss man da erstmal dumm am Eingang rumstehen (und natürlich regnet es dann IMMER) bis man irgendwann eingelassen wird… aber erst nachdem man ausgiebig genug an allen erogenen Zonen begrabscht und nach Sprengstoff und Drogen abgesucht wurde. Dann kämpft man sich wie eine Wildsau möglichst weit nach vorne, damit man noch eine Chance hat zwischen den 12.638 dauer-erhobenen filmenden Smartphones noch ab und zu einen Blick auf die Künstler auf der Bühne erhaschen zu können. Tja und wenn man es dann in den folgenden zwei Stunden noch schafft, die Vorband ohne Hörsturz oder Anfälle musikalisch bedingter Suizidgedanken zu überstehen, dann hat man irgendwann vielleicht nach STUNDEN endlich mal die Gelegenheit den Beginn des Konzertes zu erleben…. das ist dann meist schon der Zeitpunkt an dem ich müde werde, mir die Beine weh tun und ich überlege, ob ich es noch in einer Tour nach Hause schaffe oder lieber noch vorher eine Runde im Auto penne.

4. Die Massen
Selbstredend hat man gar keine eigene Wahl, wo man eigentlich stehen möchte. Man wird ohnehin immer in die eine oder andere Richtung gedrängt. Ich ganz persönlich habe ohnehin immer das Pech von den immer gleichen durchgeknallten Typen umringt zu sein:

  • Der langhaarige Epileptiker
    Dabei handelt es sich um meist junge und hagere Kerle, die aber mindesten 1,90m bis 2,10m groß sind und deren lange schwarzen Haare ihnen mindestens bis unter den Arsch reichen. Das wäre ja soweit kein Problem, wenn die Haare am Arsch bleiben würden…. aber das tun sie natürlich nicht, weil von allen 4.392 Konzertbesuchern ausgerechnet dieser Typ direkt vor mir unbedingt der Dance-Move- oder auch Headbang-König des heutigen Abends werden will und seine Haare dabei im Umkreis von 1,5m gleichmäßig im Gesicht der Umherstehenden verteilt.
  • Das behütete Kreisch-Teenie
    Diese Lebensform gehört auch zu meinen Dauernachbarn bei Konzerten. Das ist ein Wesen, das so wenige Lebensjahre zählt, dass es eigentlich gar nicht allein zum Konzert dürfte… aber weil der Papa dabei ist, geht das natürlich in Ordnung. Ein Kreisch-Teenie ist von der physischen Anwesenheit des von ihm vergötterten Musikers grundsätzlich emotional völlig überfordert, was die Temporallappen im Hirn regelmäßig dazu nötigt den aufkommenden Stresspegel dadurch zu kompensieren, indem sie das Sprachzentrum zwingen möglichst grelles Entzückungskreischen von sich zu geben, wenn sich der Musik mal am Sack kratzt oder sich den Schweiß von der Stirn wischt. Und während das Kreisch-Teenie zwischendurch mal Luft holt oder von Ohnmacht zu Ohnmacht torkelt, mache ich mir Gedanken darüber, wovon ich morgen mehr Gehörschaden verspüre… von der Musik oder vom Kreisch-Teenie.
  • Der Bier-Suchtie
    Ja wirklich, es gibt Menschen, die schaffen es nicht ein Konzert lang ohne Bier auszukommen. Bier gibt es natürlich nicht in Flaschen (angeblich aus Sicherheitsgründen), sondern nur in offenen Plastikbechern…. also einem Gefäß das denkbar ungeeignet ist für tobende und schunkelnde aber vor allem dichte gegrängte Menschenmengen. Dieses Bier landet meist nur zu 50% im Mundraum des Konsumenten. Die anderen 50% landen garantiert in meinem Rücken oder auf meiner Hose… immer.
  • Der allererste Fan überhaupt
    Oh ja, der steht immer in meiner Hörweite… darauf kann ich mich immer verlassen. Das ist der allererste Fan dieser Band… vor ihm gabs keine Fans, es gab vermutlich noch nicht einmal die Band und vermutlich waren (bevor er Fan wurde) noch nicht einmal die Musiker geboren…. demzufolge weiß der Allererste Fan auch alles besser und das müssen alle um ihn herum auch unbedingt wissen. Der Allererste Fan scheut sich auch nicht laut vernehmlich den Sänger zu korrigeren, wenn dieser mal eine Ankündigung macht oder etwas über den Hintergrund zu einem Song erzählt… was für ein Glück, dass ich immer den Allerersten Fan in Hörweite habe, denn so entgeht mir wirklich nichts!

… Und das sind nur mal so spontan vier klassische Typen, die ich immer um mich habe, wenn ich mal auf ein Konzert gehe. Wenn ich erstmal anfangen würde richtig nachzudenken, würde mir da noch mehr dazu einfallen. Ergo: die Massen bei einem Konzert gehen mir gewaltig auf den Piss!

Die einzig sinnvolle Lösung bzw. die einzig attrative Alternative ist mir sonnenklar: Ich kauf mich das Studio-Album der Band (das i.d.R. billiger ist als eine Konzertkarte, das ich aber immer und immer und immer wieder anhören kann). Ich setz zuhause mit meinem guten Kopfhörern aufs Bett und dreh ordentlich auf… und genieße einfach.

DAS ist für mich Musik erleben! Alles andere ist nur Fahrerei und Stress und einfach kein vergleichbares Musikerlebnis…

Dennoch haben Konzerte auch ihre gute Seiten. So habe ich beim letzten ASP Konzert bemerkt, dass nicht nur ich allein in den letzten 10-15 Jahren älter und etwas unförmiger geworden bin. Das hat mir schon einen gewissen inneren Frieden gegeben…. Außerdem habe ich mit meinem Besuch auf diesem Konzert meiner Freundin einen Wunsch erfüllt und die Freundin glücklich zu machen ist für mich überhaupt der einzige wirklich maßgebliche Grund irgendwann wieder auf ein Konzert zu gehen und zwischen meinen üblichen Konzertnachbarn zu stehen.

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