Ganesha-Druck auf T-Shirt

Des senn fai Fraua-Tihschärz

Willkommen zurück in Stuttgart, Oliver!“ denk ich mir so gleich beim ersten Satz, den man in Stuttgart an mich richtet, als ich die halbstünde Wartezeit auf meinen Anschlusszug ins schwäbische Hinterland damit vertreibe an einem Verkaufsstand nach einem schönen „Tihschärt“ (T-Shirt) für meine Freundin zu suchen.

An diesem Stand, der im letzten Jahr auch schon hier war, habe ich vor circa einem Jahr nämlich auch schon ein nettes Tshirt gefunden und als ich heute auf dem Weg zu Mäcces in Stuttgart war (soviel zum Thema karmafreie Ernährung), habe ich eben diesen Stand wiedergefunden…. und natürlich letzten Endes auch wieder ein Tihschärt (von dem ich sicher bin, dass es meiner Freundin gefallen wird) gekauft.

Die Fahrt von Dortmund nach Süddeutschland habe ich diesmal als unbeschreiblich lange erlebt, was ganz eindeutig daran liegt, dass ich zur Zeit keinen privaten Laptop habe und infolgedessen mir die Zeit nur mit Büchern und meinem MP3-Player totschlagen konnte. Sonst habe ich immer meinen Laptop mit drei oder viel DVDs mitgenommen und so die Zeit filmschauend wie im Flug vergehen lassen.

Besonders gefährlich sind für mich ältere Mitfahrer und besonders ältere Mitfahrerinnen. Die haben nämlich so gut wie nie Laptops, Tablets oder MP3-Player dabei, haben dafür aber viel aus ihren langen und bewegten Leben zu erzählen (was natürlich auch die Erlebnisse und Werdungsgeschichte jedes einzelnen ihrer 4 Kinder, 12 Enkel und 5 Ur-Enkel beinhaltet)… deshalb gilt für mich bei langen Zugreisen an Feiertagen: betrete ein Abteil immer mit Kopfhörern im Ohr und – egal was Du tust – nimm sie nur aus dem Ohr, wenn Du dir wirklich sicher bist, dass in diesem Abteil jemand sitzt, mit dem Du dich sicher über 5 Stunden (so lange dauert meine Fahrt in diesem Zug ohne Umstieg) unterthalten willst.

Diesmal hatte ich gut daran getan meine Kopfhörer im Ohr zu belassen. Ganz ehrlich, ich bin jetzt schon einige Male mit dem Zug gen Schwabistan gefahren, aber so viele alte Menschen im Zug hatte ich noch nie erlebt. Es scheint wohl so zu sein, dass viele Omas und Opas die Osterfeiertage dazu nutzen ihre Nachkommenschaften zu besuchen… mir schräg gegenüber saß jedenfalls ein junger Mann im HipHop Outfit, der keine Kopfhörer im Ohr hatte und von Dortmund bis Koblenz wurde der dann über mehrere Stunden auch gesprächstechnisch entsprechend gnadenlos von den beiden Senioren, die ebenfalls in meiner Sitzgruppe saßen, traktiert. Armer Kerl, muss ich schon sagen…

Ich verbrachte die Zeit (natürlich immer im Stöpseln im Ohr) entweder mit Musik hören oder lesen… damit während der über 13 Stunden dauernden Fahrzeit (Hin und Zurück zusammengerechnet) der Lesestoff auch sicher nicht ausgeht, habe ich mir diesmal ein etwas dickeres und nicht ganz so einfach zu verschlingendes Buch mitgenommen, das mich sehr interessiert und das ich schon länger mal lesen wollte: „Die Bhagavad Gita: wie sie ist“ von A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada. Von diesem Buch hat man mehr oder weniger zumindest zumindest schon einmal gehört, wenn man Begriffe wie „Krishna“ oder „Vedische Schriften“ einzuordnen weiß.

Der etwas kritische Blick, der diesem Buch und seiner blauhäutigen Krishna-Illustration auf dem Hardcover galt und der von der älteren Dame rechts von mir ausging, war dabei auf jeden Fall von mir einkalkuliert…. und so verbrachte ich also (abgesehen von einem „Danke“ an die Zugebleitering bei Rückgabe meiner soeben kontrollierten Fahrkarte) die Fahrt zwischen Dortmund und Stuttgart gekonnt ohne jegliche Konversation.

Es hängt eben von dem Eindruck habe, den ich von den Menschen in meiner Nähe habe. Beim letzten Mal hatte ich zum Beispiel den Chef einer Uni-Klinik in meinem Abteil, mit dem ich ein richtig gutes Gespräch führen konnte…. diesmal war es sicher besser, mich in mich selbst zurückzuziehen… das eine oder andere von mir zufällig akustisch doch aufgeschnappte Gesprächthema, mit dem sich der junge Gangsta-Hopper herumschlagen musste, bestätigte mir das immer wieder.

Je mehr Jahre, die ich im Exil verbringe, ins Land gehen, umso mehr kann ich es aber auch nachvollziehen welchen Sprachschock mancher eher Hochdeutsch sprechende Mensch bekommen muss, wenn er sich mit der schwäbischen Alltagssprache herumschlagen muss. Obwohl ich natürlich beim entsprechenden Anlass selbst noch 100% schwäbischen Dialekt spreche und natürlich auch verstehe, kommen mir die ersten schwäbischen Sätze, die höre sogar selbst schon recht komisch vor. Das liegt eben daran, dass ich sehr selten zuhause bin…. wenn überhaupt dann vielleicht einmal im Jahr oder im zeitlich noch größeren Abstand.

Wenn man dann ohne Vorwarnung so einfach beim Einkaufsbummel von der Seite her auf diese Weise angesprochen wird, treibt es sogar mir schon ein breites Grinsen ins Gesicht. Es wirkt einfach schon leicht komisch auf mich – obwohl ich das einfach nicht erklären kann. Später (als ich in den letzten Zug meiner Reise umgestiegen war) fragte ich eine ältere Mitfahrerin zum Beispiel: „Wissad’tse ob dia Boh au en Waiblinga o’hält?„… ein für mich als Schwabe eigentlich völlig alltäglicher und gar nicht erwähnenswerter Satz, sozusagen völlig normaler Sprachgebrauch – aber nach Jahren im „Nicht-Schwäbischen Ausland“ hört es sich in der ersten Eingewöhnungszeit einfach wie Mundart-Kabarett an und ich warte schon grinsend auf eine Pointe im Format eines Uli Keulers oder Christoph Sonntags… was natürlich nicht folgt.

Naja, das kann vielleicht nicht jeder wirklich nachvollziehen. Ich selbst kann es ja nicht einmal richtig erklären. S’isch äbba luschtig!

Und zur allgemeinen (auch akustischen) Abrundung hier noch ein Clip, der so schön dazu passt (auch wenn der Musik-Stil nicht meiner Vorliebe entspricht):

Site Footer