Im Zugabteil

Heimreise als kulinarischer Botschafter

Es gibt drei Dinge, auf die ich mich immer besonders freue, wenn ich nach ein paar Tagen bei meiner Familie/Verwandtschaft wieder zuhause bin:

  1. Ruhe und nichts als Ruhe… wenn man so lange alleine wohnt wie ich, dann ist man es nicht mehr gewohnt mit vier anderen Menschen (die über die Feiertage auch immer da sind) dauernd zusammen zu sein. Das merkt man zwar nicht so wirklich in jedem Moment, weil man die Menschen ja mag… aber wenn man nach Hause fährt und im Zug stundenlang Zeit hat ein wenig zu reflektieren, dann fällt es einem im Nachgang schon ein wenig auf wie wenig Zeit für diese Art von Ruhe geblieben ist, die ich zuhause habe.
  2. Das eigene Bett. Mein Bett ist kein Luxus-Bett. Es hat gerade mal 1,4m Breite bei 2m Länge, aber es ist eben “mein” Bett und einfach der Ort, an dem ich noch am besten schlafe.
  3. Ich bin nicht ständig damit beschäftigt zu verhindern, dass mir jemand versucht Essen aufzutischen (gerade so, als ob ich wirklich verhungert aussehen würde…)

Um im Punkt 3 ein wenig für Entspannung am Abreisetag zu sorgen, nehme ich (schon auch mal des lieben Friedens Willen) eben auch etwas auf die Heimreise mit. Manchmal sind es aber auch Lebensmittel, die ich mitnehme, die man in NRW eben einfach nicht oder nicht in dieser Art und Weise bekommt.

Dazu gehören gehören ganz eindeutig auch vernünftig hergestellte Landjäger (soviel wieder zur karmafreien Ernährung, ich weiß…. aber es sind eben leckere schwäbische Landjäger!). Was man hier in NRW bekommt, das sind so weiche und matschige Dinger, die obendrein einfach nur nach Fett und Salz schmecken… aber wirklich gute Landjäger dürfen nicht saftig sein, sondern sie müssen hart wie Hundeknochen und schwer zu beißen sein… jawohl, so MUSS das!

Eine ganze Hand voll davon habe ich mir deshalb auch sehr gerne mitgeben lassen und sehr gut eingepackt, damit sie auch noch gut in NRW ankommen und der Duft nicht schon im Zug verleitet heißhungrig zu werden – immerhin verbringe ich fast 6 Stunden ohne Umsteigen im gleichen Zug und sowas ist sehr öde…

In Stuttgart auf den Zug wartend schwante mir zuerst eigentlich Böses, denn ich hatte (obwohl noch frühzeitig gebucht) schon beim Fahrkartenkauf im Internet keine wirklich vernünftige Platzreservierung mehr erhalten. Keiner meiner sonst bevorzugten Plätze war noch unvergeben. Erwartungsgemäß war der Zug also wohl recht voll von Feiertagsrückreisenden… und so war es dann auch.

Die erste Zeit war ja noch recht entspannt. Da hatte ich zwei junge Mädels im Abteil, die selbst auch bis über beide Ohren in ihre Bücher vertieft waren und so kamen wir auch den größten Teil der Strecke gut durch… aber zwischendrin bin ich einmal eingepennt (im MP3 Player lief einfach zu beruhigende Musik) und… ich bin mir zwar nicht so ganz sicher, aber .. ich glaube, ich bin von meinem eigenen Schnarchen aufgewacht. Sehr peinlich, wenn das wirklich der Fall gewesen sein sollte! Aber im Zug war es einfach super warm und die Sonne schien durch das Fenster vor dem sich der Rhein lange gemächlich schlängelte, niemand sprach ein Wort (weil wir alle die Nasen in unseren Büchern hatten) und mir tat vom Gästebett der Rücken so sehr weh, dass ich nicht aufrecht sitzen konnte und mehr in diesen bequemen IC-Sitzen lag als saß… und da muss ich wohl irgendwie recht ungünstig (für die Atemwege) und schnarchend eingeschlafen sein. Peinlich, peinlich…

In Köln stieg dann eine Gruppe US-amerikanischer Reisender ein, die lustigerweise die Tage zuvor ebenfalls in der Gegend um Stuttgart verbracht hatten. Wir kamen ziemlich schnell ins Gespräch und weil sie so begeistert waren vom schwäbischen Essen (insb. von den Butter-Brezeln, die man in Stuttgart an vielen Ecken findet) war ich so taktisch unklug das Thema “Landjäger” zu eröffnen…

Das kannten die Amis noch nicht und wie beschreibt man das jetzt als Schwabe mit durchschnittlichem englischen Wortschatz (auf Grammatik und ähnlichen Ballast pfeife ich in solchen Fällen ja eh grundsätzlich)? Also hab ich den drei ein Probe-Exemplar aus meiner kleinen kulinarischen Mitnehm-Schatzkiste gegönnt und das fand auch großen Anklang…. und soweit wäre auch alles gut gewesen, aber was ich nicht wusste, dass die Gruppe nicht aus drei sondern aus ca. 10 Leuten bestand (drei davon waren eben in meinem Abteil gelandet und der Rest woanders) … naja und wir waren noch nicht einmal in der Nähe von Hamm, da war mein gesamter Landjäger-Vorrat in all seiner Herrlichkeit Geschichte.

Einen Trost hab ich ja nun doch: zumindest in Bezug auf Landjäger klappt es jetzt mit der karmafreien Ernährung… Beim nächsten Mal muss ich eben mal die Klappe halten… oder doch (wie im Blogbeitrag zum Anreise-Tag) lieber meine Kopfhörer gar nicht aus dem Ohr nehmen um jegliche Kontaktaufnahme mit der Außenwelt gleich im Keim zu ersticken. 🙂

Nun gut, wenigstens bin ich gut und sicher nach über sieben Stunden Reisezeit ohne Verspätung und Zwischenfälle wieder zuhause angekommen. Ich glaube, dafür sollte man dankbar sein.

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