Neues Fahrrad von Rixe

Jetzt wird getreten

Seit zehn Jahren schon lebe ich in NRW und je mehr Jahre ins Land gezogen sind, umso mehr bemerkte ich, dass ich mich eigentlich gar nicht wirklich hier auskenne… und das meine ich wirklich ernst und gar nicht mal besonders überregional, denn nur 200-300 Meter von meiner Wohnung entfernt befinden sich Straßen, Häuser und Winkel, die ich bis heute nicht gesehen habe, weil ich einfach nicht so gerne spazieren gehe (höchstens Mal der Freundin zuliebe).

Nun, jedenfalls habe ich schon eine Weile lang überlegt, dass ich meine Ortskenntnis mal dringend ausbauen sollte… quasi als meine persönliche Integrationsleistung als Exil-Schwabe hier in NRW.  So habe ich mir diese Woche nun ein Fahrrad zugelegt um auch mal in Ecken unterwegs sein zu können, wo ich im Auto sonst nie entlang fahren würde.

Eigentlich ist das ein gutes Vorhaben, aber auch wirklich mal länger als eine Stunde ein Fahrrad unter dem Hintern zu haben, ist eine Sache, der ich mich ungefähr seit zwei Dekaden nicht mehr gestellt habe. Dabei geht es mir gar nicht um die Unsicherheit auf dem Fahrrad selbst oder um meine Teilnahme am fließenden Verkehr in der Stadt (hätte ich da Bedenken, würde ich gar nicht erst fahren), sondern um meine rein physische Konstitution.

Aber irgendwann muss man(n) eben den Anfang machen. Ich habe eigentlich bereits ein richtig tolles Fahrrad (ein ehemals doch ziemlich schnelles Mountainbike), mit dem ich damals in Süddeutschland sehr viel auch auf anspruchsvollen Strecken unterwegs war und das ich auch sehr gerne wieder fahren würde…. aber zu den Zeiten, in denen ich zuletzt regelmäßig mit dem Fahrrad unterwegs war, waren die Umstände noch etwas anders als heute. Ich war gute zwanzig Jahre jünger und (was wichtiger ist) ca. 25-35 Kilogramm leichter.

Soll heißen, ich habe definitiv (noch) zu viel Körpermasse in der Bauchgegend geparkt, was mir bei einer so weit nach vorne gebeugten Körperhaltung doch ziemlich den Atem nimmt. Dabei ist Atemluft, bzw. Lungenvolumen eine ziemlich nützliche Sache, wenn es um sportliche Betätigung geht. 🙂

Deshalb habe ich mir erstmal ein Rad mit einer ziemlich aufrechten Fahrerposition gesucht, also etwas im Bereich Hollandrad oder Cityrad…. und letztendlich hängen geblieben bin ich dann beim Hersteller RIXE und seinem Modell Toulouse.

Vorletzte Woche konnte ich das Fahrrad in Empfang nehmen und schon am ersten Tag während insgesamt ca. 4 Stunden Fahrdauer testen können. Ich musste zwar danach nochmal zum Verkäufer und noch drei Dinge nachstellen lassen (manches fällt eben erst nach einiger Zeit des Fahrens auf), aber ansonsten bin ich eigentlich sehr zufrieden mit dem Rad und das sollte dann auch der Anlass sein, dass ich möglichst viele Erledigungen mit dem Fahrrad tätige – insbesondere wenn sie im nahen Umfeld sind.

Nur eine Kaufentscheidung hat sich definitiv als falsch erwiesen… meine eigentlich doch sehr wohl überlegte Frage, ob ich (wie bisher immer) ein Rad ohne Rücktrittbremse oder doch ein Rad mit Rücktrittbremse kaufen soll.

Vielleicht war meine Probefahrt von mir selbst zu kurz veranschlagt worden (das Fachgeschäft hätte definitiv nichts dagegen gehabt,wenn ich noch ein Weilchen durch die Gegend gefahren wäre). Ich hatte dabei jedenfalls keinen Ampelverkehr zu beachten – und genau das hätte ich aber mal testen sollen.

Ich bin es von allen meinen früheren (sportlichen) Rädern gewohnt keine Rücktrittbremse zu haben. Dass ich mich diesmal für ein Rad sowohl mit Naben- als auch mit Rücktrittbremse entschied, lag an meiner Einschätzung, dass ich im dichteren Stadtverkehr mit teilweise kürzeren Reaktionszeiten und Bremswegen rechnen muss als in meiner ursprünglichen (sehr ländlichen) Heimat, wo man eigentlich nur auf Wanderwegen und Überland-Straßen unterwegs ist. Da dachte ich mir, zur Not zwei Systeme zur Auswahl zu haben, ist wohl kein Fehler. “Sicher ist sicher” war also meine Devise…. gut gedacht, aber leider nicht in der Praxis erprobt.

Vermutlich bin ich einfach schon zu lange nicht mehr auf einem Drahtesel gesessen um daran zu denken: bei einem Rad ohne Rücktrittbremse kann ich in jeder beliebigen Pedalstellung an einen Haltepunkt heranfahren. Ich kann die Pedale dann auch im Stand einfach rückwärts drehen, bis mein Pedal (welches ich für den Antritt beim Anfahren bevorzuge – also in meinem Fall das rechte Pedal) für eine zügige Anfahrt in der optimalen Position steht. Das geht (ich Idiot hätte das wissen sollen) mit einer Rücktrittbremse im Rad natürlich nicht.

Klar, es ist einfach eine Gewohnheitssache – aber es nervt mich dennoch immer, wenn ich vergesse, dass ich nicht rückwärts treten kann und ich dann wie so ein alter Opa aussehe, wenn ich mit zwei, drei Fußspitzen-Tipp-Vorgängen Fahrt aufnehmen muss um meine Pedale wieder in eine gut tretbare Position zu bringen.

(Erkläre ich das überhaupt so, dass man es versteht?)

Eigentlich muss ich mir doch nur merken, schon wenn ich zu einem Haltepunkt fahre, die Pedale in der gewünschten Stellung stehen zu lassen. Aber ich muss es mir eben erst noch angewöhnen. Und so tippel und trete ich mich daher aktuell manchmal durch die Innenstadt und sehe sicher ein wenig so aus, wie ich früher immer die Rentner auf ihren alten Drei-Gang-Rädern wahrgenommen habe. Ich mag dieses Bild im Kopf ehrlich gesagt überhaupt nicht… daher ist das umso mehr Ansporn möglichst bald wieder fit für die wesentlich bessere Maschine im Keller zu sein.

Nun gut, auch heute werde ich mich gleich wieder auf das Rad schwingen und ein paar Besorgungen machen. Frühstück muss her. 🙂 Seit kurz vor 06:00 Uhr habe ich wegen Schlaflosigkeit und ziemlich üblen Träumen auf eine Fortsetzung der Nachtruhe verzichtet und lieber Bilder bearbeitet. Nach so lange Zeit vor dem PC zu ungewohnter Stunde zieht es mich geradezu in die Morgenluft.

In diesem Sinne, habt ein schönes Wochenende!

Site Footer