Macht mich glücklich, was ich habe?

Meine Frau, mein Haus, mein Auto, mein Boot!

So (oder so ähnlich) lautete sinngemäß der Werbespot eines größeren Finanzdienstleisters noch vor einigen Jahren.

Mal abgesehen davon, dass die Chancen gut stehen, dass ihm das alles nicht mehr gehört, wenn erstmal die Frau weg ist (klassische Scheidungslösung: SIE bekommt das Haus, ER behält die Finanzierung…), fand ich diesen Werbespot schon immer ziemlich platt und bestenfalls fragwürdig in seinen Werten… aber gut… ich meine, wir reden vom Bankgewerbe, da darf man es mit den Werten eben allgemein nicht so genau nehmen.

Ich weiß das. Einstmals habe ich auch auf einer Bank gearbeitet, habe dort aus meine Ausbildung gemacht. Das war kein Gobal Player auf den internationalen Finanzmärkten oder so, sondern ein regional tätiges Institut… aber dennoch war ich in dem Job irgendwie nicht glücklich. Die Ausbildung war interessant, keine Frage… aber das Klientel und das, womit man sich eben so beschäftigt und die allgemeine alles unterwerfende Mentalität von Zins und Zinseszins (also der Wertschöpfung aus dem Nichts ohne reale Tätigkeit), das hat mir doch zunehmend Fragen aufgeworfen.

Nun bin ich gewiss keiner der im Internet massig vertretenen Prediger der Zinslosen Wirtschaftsordnung oder ähnlich radikaler Ansätze. Ich werde den allgemeinen Kapitalismus nicht stürzen, denn obwohl ich seine Probleme kenne (nämlich dass Kapitalismus nur solange funktioniert, solange Wachstum angenommen wird, unbegrenztes Wachstum aber nicht möglich ist) kenne ich auf Anhieb kein System in der Tiefe genug um zu sagen: “DAS muss jetzt her.”

Über das “große Ganze” (also unsere Wirtschaftsordnung) will ich eigentlich auch gar nicht sprechen. Obwohl ich den Kabarettist Volker Pispers nicht so mag, stimme ich ihm nämlich in seiner Aussage zu:

Nur weil 80% der Bevölkerung von einem Konzept profitieren würde, heißt es noch lange nicht, dass es verwirklicht wird, denn das Problem ist: wir sind eine Demokratie.

Ein Satz mit viel Hintersinn und viel trauriger Wahrheit darin. Aber auch das ist eine andere Geschichte.

Was ich mich interessiert ist die Sache im Kleinen… wie ich selbst es im Alltag auslebe… also wie ich mich von dem allgemeinen Wahnsinn und von der Botschaft: “Wenn Du glücklich sein willst, dann konsumiere!” beeinflussen lasse.

Dazu kann man sich eine ganze Reihe von selbstkritischen Fragen stellen:

  • Was habe ich und was davon (auch von dem, was ich noch will) brauche ich wirklich?
  • Woher kommen meine Wünsche? Sind es wirklich meine eigenen Bedürfnisse oder sind das Wünsche, die mir von außen ins Gehirn gesetzt wurden?
  • Welche der Dinge, die ich besitze (oder die ich gerne besitzen würde) machen mich glücklich und kann Glück überhaupt von Dingen kommen?

Natürlich kenne ich die religiös und philosophisch beeinflussten Lehren, wonach nur eine radikale Loslösung von Besitz und Vermögen wahres Glück verspricht. Von solchen eher theoretischen Ansätzen möchte ich diesmal Abstand nehmen, denn sie sind für mein Leben einfach nicht alltagstauglich.

Nun, ich besitze ein ziemlich altes und kleines Auto. Ich wohnte zur Miete in einer Wohnung. Die Wohnung ist eher zweckmäßig und ganz sicher nicht stylish eingerichtet. Ich habe ein paar Computer, ein ziemlich kaputtes Handy, eine Fotoausrüstung und noch ein paar kleine technische Spielereien (z.B. eBook, MP3 Player) und das war es eigentlich auch schon. Als “begütert” würde ich mich wirklich nicht betrachten. Reich an Geld bin ich auch nicht.

Aber wäre ich unglücklich ohne diese Dinge?

Nun, für einen Teil dieser Güter würde ich das tatsächlich mit “Ja” beantworten!

Mein Auto zum Beispiel: Es ist ein absolut zweckmäßiges Gerät. Es ist alt, verbeult und verkratzt. Das Radio ist hinüber. Die Scheiben muss man noch kurbeln. Pferdestärken unter der Haube sucht man fast vergebens und es ist auch ganz sicher kein Status-Symbol (da es sich nur um einen Ford Ka handelt)… doch hätte ich dieses Auto nicht, wäre mein Leben deutlich negativ eingeschränkt.

Dabei denke ich nicht nur an meine tägliche Fahrt zu Arbeit. Die einfache Entfernung zu meiner Arbeitsstelle sind ca. 11km ebene Strecke… sowas legen andere locker mit dem Fahrrad zurück! Ich denke aber auch an die Gestaltung meiner Freizeit oder der Wochenenden und inbesondere auch an die Verwirklichung meiner großen Passion, der Fotografie! Dafür ist Mobilität nicht nur sehr wichtig um Menschen und Locations zu erreichen, sondern auch um diverse Ausrüstung zu transportieren. Kein Auto zu haben würde hier sehr deutliche Einschnitte bedeuten.

Ergo: ja, mein Auto macht mich glücklich.

Doch bedeutet “Glück” in dem Fall in Wahrheit eigentlich nicht viel mehr als nur “Bequemlichkeit”?

Immerhin bin ich ziemlich unglücklich mit meiner Figur und wie wäre die wohl, wenn ich mich viel mehr zu Fuß und mit dem Fahrrad bewegen müsste? Würde Glück dann eventuell in anderen Lebensbereichen passieren, wo ich im Moment gar kein Glück empfinde? Ist automobiles Glück also in diesem Fall eher eine Entschuldigung oder sogar nur ein Vorwand für Faulheit und somit eigentlich gar kein “echtes” Glück?

Solche Fragen beschäftigen mich zur Zeit ziemlich und insbesondere immer dann, wenn ich mal wieder einen Anflug von “Ich brauche noch das und das….” habe. Ich versuche mich dann zu fragen, ob ich was wirklich haben will und was es für mich positiv verändert.

Solche Fragen sind manchmal gar nicht so einfach zu beantworten, weil man erstmal wieder bewusst zwischen seinem realen Leben und den Versprechungen der Werbung trennen muss. Aber solche Überlegungen tun mir gut, das merke ich deutlich… auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass ich mit all dem noch ziemlich an der Oberfläche kratze.

Wenn ich mich in meiner Wohnung umschaue, finde ich einfach zu viele (oftmals kleine) Dinge, von denen ich mich bei solchen Gedanken (wie im Moment) schlicht verarscht fühle. Kleine oder auch nur virtuelle Dinge (z.B. ein Computerspiel), die mir zugerufen haben “Mit mir bist Du glücklicher als ohne mich” und die sich hinterher schlicht als Lügner offenbart haben.

Das ärgert mich ziemlich… und das muss sich ändern.

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