Pädagogischer Rufmord

06:05 Uhr. Ich sitze schon wieder am PC und bin eigentlich körperlich noch echt müde.

Diesmal habe ich die Nacht eigentlich auch fast komplett durchgeschlafen. Ich erinnere mich nur einmal daran zwischendurch aufgewacht zu sein. Das für sich genommen ist schon ein wirklich verdammt gutes Ergebnis.

Leider war aber an Schlaf heute nicht mehr zu denken, als ich kurz dann eben kurz nach Sechs aufgewacht bin und schuld war mal wieder der blöde Traum.

Ich war doch tastsächlich wieder in einer Schule. Es fühlte sich so nach Berufsschule oder Berufskolleg oder etwas in der Art an. Meine Klassenkameraden und ich waren also keine Kinder mehr, sondern durchaus alle schon in einem Alter, in dem man sich nicht mehr alles gefallen lässt.

Eine Geschichte-Hausarbeit zum Thema Napoleon war termingerecht abzugeben.

Ich erinnere mich noch Stunden für diese Arbeit gearbeitet zu haben, doch hatte der Lehrer es wohl auf mich abgesehen, was man auch an seinem unterschwelligen nassforschen Umgangston ablesen konnte. Außerdem sah der Lehrer meinen Zahnarzt aus meinem wahren Leben zum Verwechseln ähnlich. 🙂

Bei der Notenbesprechung im persönlichen Gespräch am Pult (während die Klasse sich ansonsten selbst beschäftigte) fragte mich der Lehrer, ob denn Inhalte meiner Arbeit (von der ich wusste, dass sie sehr gut war) aus anderen Medien stammen würden.

Dies beantwortete ich wahrheitgemäß mit “Ja”, denn alles was ein Schüler aus Büchern, Begleitliteratur oder dem Internet lernt und liest stammt somit aus einem anderen Medium… oder kurz gesagt: alles Wissen, das man nicht anhand eigener wissenschaftlicher Forschung herausgefunden sondern sich irgendwo angelesen hat, stammt aus anderen Medien. Woher sonst sollte ein Schüler sein Wissen erlernen? Dies gilt umso mehr für ein Fach wie Geschichte, denn kaum einen Schüler von heute war es vergönnt die Zeit der Napoleonischen Kriege selbst mitzuerleben um aus eigener Erfahrung zu berichten.

Der Lehrer hatte aber anderes im Sinn, denn für ihn lautete die Bedeutung seiner Frage anders als er sie mir stellte. Er wollte eigentlich fragen: “Hast Du Inhalte aus anderen Medien kopiert?”. Diese Frage stellte er in dieser Klarheit nicht, weil ich dies wahrheitsgemäß mit “Nein” quittiert hätte (denn ich hatte nicht einfach Absätze zusammenkopiert), aber er versuchte über eine schwammige Frage zu einer Antwort zu kommen, wie er sie für sich gewünscht hatte.

5,3 lautete dann plötzlich seine Note, weil ich kopiert hätte.

Das habe ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen und es entzündete sich ein sehr lautes und heftiges Streitgespräch auch darüber welche verwaltungsrechtlichen bzw. disziplinarischen Möglichen existieren gegen derartiges Mobbing (das ich angesichts dieser Unterstellung als Rufmord bezeichnete) vorzugehen… bzw. dass ein Plagiatsvorwurf bewiesen und nicht nur einfach unterstellt werden muss, bevor er sich in einer Note auswirkt (usw.).

Ich befand mich immerhin im Recht, auch wenn ich erstinstanzlich vor dem Lehrer die schwächere Durchsetzungskraft hatte….

Plumps!

Irgendwo mitten im schon sehr laut gewordenen Streitgespräch purzelte ich aus diesem beschissenen Traum und lag wach in meinem Bett. Das Herz schlug Rock’n’Roll und ich war noch wie wild am atmen, als hätte ich wirklich eben viel, schnell und laut reden müssen…. und im Bauch hatte ich natürlich eine echt verdammte Wut auf meinen Zahnarzt – und dabei kann der arme Kerl nicht einmal was dafür.

Jetzt, eine halbe Stunde später, lächle ich über diesen Schwachsinns-Traum schon wieder.

Aber leider bleibt es doch dabei: mein Bett sieht mich heute nicht wieder. Jetzt bin ich innerlich einfach schon wieder zu wach. Naja, ich werde mal den Wetterbericht checken. Vielleicht gibt es einen schönen Sonnenaufgang und ich zieh mit der Kamera los….

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