Liebe Grüße vom Karma

Radfahren ist ja sooooo gesund….

Ich hätte noch andere Titel für den heutigen Eintrag und das Los, mich für nur einen davon entscheiden zu müssen, war ein sehr schweres, denn ebenso hätte der Titel heute auch lauten können: “ADAC erfindet neue Zeitrechnung” oder auch “Wenn das Karma auf einen pisst” oder “Mein Auto ist eine Toilette” … und mir wären noch einige andere Titel der eher unflätigen Sorte eingefallen.

Diese Woche ist eine echte Scheisswoche. Sorry, aber kann man nicht anders sagen.

Im Job (über den ich in diesem Blog bewusst nie erzähle) ist gerade ziemlich Druck und privat läuft es auch alles andere als glatt zur Zeit: Am Montag habe ich spät abends ohne jegliche Vorwarnung vom viel zu frühen Tod eines mir sehr sehr lieben Menschen erfahren und auch wenn ich damit nichts zu tun habe, mache ich mir doch einiges an Selbstvorwürfen, weil ich den Kontakt in den letzten Jahren so extrem habe schleifen lassen (entgegen ihrer wiederholten Wünsche).

Am Dienstag hatte ich ebenfalls ein echt deprimierendes Erlebnis mit einem sehr, sehr lieb gewonnen Menschen, das dann noch so eines oben drauf gesetzt hat auf mein schlechtes Selbstgefühl, das ich eh schon wegen Montag hatte und entsprechend habe ich auch die Nacht zum Mittwoch mehr wach und in der Wohnung sinnlos aufräumend als im Bett verbracht.

Der Mittwoch begann dann verdächtig ruhig und entspannt… so angenehm sogar, dass ich mich entschlossen hatte, mein kleines verkommenes Selbst ein wenig mit einem Fotoshooting zu streicheln (tut mir selbst immer ganz gut, wenn ich etwas tun kann, das anderen gefällt und man merkt, dass sie sich freuen und dankbar sind) und sogar dieses ganz spontan noch während meinem Weg in die Arbeit bekanntgegebene Shooting am späten Nachmittag klappte noch mit einem wirklich wunderbaren und zuverlässigen Model.

Das alles hätte mir gleich verdächtig vorkommen sollen.

Während ich auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt zum Shooting war, gab dann nämlich mein Auto den Geist auf. Unter der Motorhaube kroch dichter weißer Qualm hervor und der Motor dampfte aus Ritzen und Ecken, aus denen ich noch nie irgend etwas habe austreten sehen.

Toll. Ganz toll.

Ich hab das Auto dann noch ein paar Meter zum Parkplatz gefahren, wo ich dann heute den ADAC angerufen habe. Immerhin zahle ich seit ca. 10 Jahren eine Plus Mitgliedschaft, die ich bisher nur einmal überhaupt in Anspruch genommen habe.

Danke moderner Smartphone-Kamera-Technik und WhatsApp konnte ich schon vorher anhand von Aufnahmen und der Hilfe eines Fachmannes herausfinden was kaputt ist. Der Wasserschlauch, der für den Rückfluss aus der Heizung verantwortlich ist, war mitsamt des Stückchen Rohres (auf das er gesteckt war) abgebrochen und somit floss alles Kühlwasser aus dem Auto und der Motor lief eine ganze Weile ohne jegliches Wasser – bis irgendwann die Warnleuchte anging und sich das Betriebsgeräusch selbst für einen Laien wie mich merklich veränderte.

Geschlagene VIER Stunden habe ich heute Nachmittag auf den ADAC gewartet. Laut der Ankündigung bei der ADAC-Pannenhilfe sind das angeblich “ca. 90 Minuten”.

Ich schau mir gerne Dokus an und mir ist dabei dann und wann auch mal eine über die Relativität von Zeit und Raum untergekommen, daher weiß ich natürlich, dass Zeit auch immer etwas mit der Geschwindigkeit der jeweiligen Uhr bzw. des jeweiligen Beobachters zu tun hat. Ausgehend davon, dass die Dame im Call Center sich sitzend bestimmt nicht in einer wesentlich höheren Geschwindigkeit bewegt hat als ich (sitzend im Auto), kann ich mir also wirklich nicht erklären, wie aus (ca.) 90 ADAC-Minuten dann VIER Stunden werden?!?

Hätte ich mir eine Kuh von der Weide nebenan vors Auto gespannt und dazu noch die Handbremse angezogen und alle Luft aus den Reifen gelassen, wäre ich schneller zuhause gewesen, als mit der Hilfe der “Gelben Engel”…. ist doch wahr.

Noch dazu habe ich der Dame bei meiner Pannenmeldung exakt erklärt, dass laut Auskunft (m)eines Fachmannes das Auto in Null-Komma-Nix wieder fahrbereit wäre, indem man den Zuführungsschlauch zur Heizung abmacht (nur eine Schelle zusammendrücken), ein kleines Verbindungsstück (12-14mm Durchmesser) einsetzt und dann den abgebrochenen Schlauch für den Rückfluss an das andere Ende dieses Verbindungsstücks setzt.

Das wäre für einen Fachmann eine Arbeit von 5-10 Minuten. Sicher, die Heizung wäre dann nicht mehr aktiv, aber ich rechne ehrlich gesagt nicht mit einem Wintereinbruch innerhalb der nächsten Tage oder bis ich mit dem Auto wieder zuhause bin. Alles was man dafür brauch ist ein kleines Stückchen Rohr (oder etwas in der Art) und eine Zange für die Schellen.

Doch der Mensch denkt, aber der ADAC lenkt… denn mein Autoclub schickte mir in seiner unendlichen Weisheit nämlich leider keinen dieser Werkstatt-Wagen, sondern lediglich einen Abschleppdienst. Toll. Danke ADAC! Da wäre es für mich einfacher gewesen, ich wäre zur benachbarten Tankstelle gegangen und hätte mir da irgendwas zusammengebettelt. Zahle ich dafür etwa die Plus Mitgliedschaft?

Na gut, wenigstens das Abschleppen lief problemlos und der Mitarbeiter des beauftragen Unternehmens war auch sehr nett.

Zuhause angekommen blieb mir dann nur eines: schnell auf mein (neues) Fahrrad springen und einmal quer durch die Stadt zum nächsten Baumarkt und mir so ein kleines Stück Rohr und sicherheitshalber noch zwei neue Schellen besorgen (denn ich hab handwerklich zwei linke Hände und muss einfach damit rechnen, dass ich die vorhandenen Schellen auch noch kaputtmache)…. und nach 4 Stunden ADAC-Warterei kommt es zeitlich auf die Tour zum Baumarkt auch nicht mehr an.

Habe ich eigentlich schon das Wetter erwähnt?

Die Sonne schien während ich auf den ADAC wartete.
Die Sonne schien während wir das Auto abschleppten.
Die Sonne schien während ich kurz mein Zeug in die Wohnung brachte.

Als ich aber mein Fahrrad aus dem Keller geholt und fahrbereit gemacht hatte, begann es echt dermaßen heftig zu regnen, so als wäre dem Himmel nur noch erlaubt heute ein letztes Mal in diesem Jahr Wasser zu lassen.

Toll. Ganz toll.

Im übelsten Piss bin ich dann durch die Stadt gefahren… und dabei ist das Radfahren in Hamm so eine Sache für sich –  hab ich inzwischen bemerkt.

Gut, ich komme vom schwäbischen Land, das ist natürlich nicht vergleichbar, aber selbst für eine durchschnittliche Stadt ist Hamm echt ein übles Pflaster für Radfahrer. Da stehen Autos auf dem Radweg und drin sitzen Mädels, die am Handy telefonieren und die Polizei fährt auch noch seelenruhig vorbei, wenn sie doch mitbekommt, dass ich wegen der Telefontante auf die Straße wechseln muss (die ich bei einem gekennzeichneten Radweg eigentlich nicht benutzen darf)… Naja, ist doch auch logisch… darf nicht mit dem Handy am Ohr fahren, dann park ich eben mit laufendem Motor und dem Handy am Ohr den Radweg zu.

Ein paar Straßen weiter parkt ein Lieferwagen auf dem Radweg und als kleine Pointe lässt der Beifahrer beim Aussteigen auch noch die Tür offen, so dass man in den 20cm zwischen Tür und Hauswand noch nicht einmal mit dem Fahrrad schiebend durchkommen würde und deshalb doch wieder auf die Straße ausweichen muss.

Außerdem scheint es in Hamm nicht Brauch und Sitte zu entsprechen beim rechts abbiegen auf geradeaus fahrende Radfahrer zu achten. Ich muss die Stelle in der StVo überlesen haben, in der steht “Vorfahrt erhält, sofern keine andere ausgeschilderte Weisung existiert, der Verkehrsteilnehmer mit den meisten Pferdestärken – selbst wenn ein Esel am Steuer sitzt.”

Oder (weil ich ich Stimmung auch gerne mit Musik ausdrücke) vielleicht mal folgender Vergleich:
So fühlt sich Radfahren bei mir zuhause in meiner süddeutschen Heimat an:  KLICK MICH . Und so klingt es stimmungstechnisch ungefähr, wenn man mit dem Rad in Hamm unterwegs ist: KLICK MICH!!!

Alles klar soweit?

Noch dazu habe ich beim Kauf meiner Handy-Halterung einen echten Fehlkauf geleistet (ich kenn mich noch immer so wenig hier aus, dass ich selbst auf dem Rad noch mit Navigation fahre). Einmal fährt man vom Radweg über den Bordstein auf die Straße und schon liegt die Hälfte der Halterung mitsamt meinem Handy auf der Straße.

Aber gut, es hat ja ohnehin so sehr geregnet, dass es besser war mein Handy einzupacken, denn es ist nur bedingt wasserdicht und so bin ich bei weiterhin herrlichsten Pisswetter (und wegen nun fehlender Navigation) mit ein paar Umwegen beim Baumarkt angekommen.

Ursprünglich (vor dem Pisswetter) ging ich davon aus, dass der Einkauf im Baumarkt der schwierigste Teil meiner Beschaffungsanstrengungen sein würde, denn ich stehe mit allem Handwerklichen und daher auch mit jedem noch so kundenfreundlichen Baumarkt auf Kriegsfuß. Doch – oh Wunder – ich brauchte keine 2-3 Minuten um das richtige Regal zu finden und dort waren sogar die kleinen Kupferleitungen und die (auf Verdacht mitzukaufenden) Rohrschellen direkt nebeneinander… in der Sanitär-Abteilung, zwischen Abflussrohren und Toiletten-Bauteilen.

Na gut, bau ich mein Auto eben zur Toilette um. Passt zum Karma dieser Woche.

Mit weniger als 5,- Euro Ausgaben (viel weniger als ich erwartet hätte) fuhr ich dann bei weiterhin richtig miesem Dreckswetter wieder mit dem Rad nach Hause.

Herrlich so eine Tour durch die Stadt, wenn die Schuhe vor lauter Regenwasser beim Tritt in die Pedale so lustige Geräusche machen! Nicht zu unterschätzen, was für ein geiles Gefühl es ist, wenn die völlig nasse Jeans an den Beinen klebt und der superteure Poncho (aus dem Fachgeschäft) meinen Oberkörper zwar davor schützt beregnet zu werden, jedoch alles darunter dann sowieso pitschnass ist durch den eigenen Körperschweiß.

Wenn das wirklich Spaß machen soll, dann fress ich mein Fahrrad und zwar mitsamt dem Fachberater, der mir dieses Ding verkauft hat!

Unnötig zu erwähnen, dass ich dann Zuhause natürlich pitschenass angekommen bin. Ich habe mein Fahrrad in den Keller gebracht und abgeschlossen, meine Kleidung im oberen Bad erstmal zur Austropfen aufgehängt und im unteren Bad eine heiße Dusche genommen.

Dann Zange, ein paar Liter Wasser im Kanister und die Baumarkt-Teile genommen und zum Auto gegangen…. und dabei bemerkt, dass plötzlich wieder schönster unschuldiger Sonnenschein herrscht.

Es hat doch tatsächlich und allen Ernstes exakt nur solange geregnet, wie ich auf dem Fahrrad unterwegs war!?! Sollte mich das am vierten Tag in dieser elenden Woche wirklich noch wundern?

Na gut. Jedenfalls hab ich dann schnell noch den Schlauch, der zur Heizung hinführt abgezogen (und dabei das Stück, auf das der Schlauch gesetzt war auch noch abgebrochen…. ist mir auch echt egal jetzt) und das kurze Kupferstück eingesetzt. Die beiden Schellen platziert (sind natürlich nur deshalb nicht abgebrochen, verloren oder kaputt gegangen, weil ich schon vorsorglich Ersatz-Schellen im Baumarkt gekauft hatte) und innerhalb von 10 Minuten war das Werk vollbracht.

Na, da haben sich die vier Stunden ADAC-Warterei doch wirklich gelohnt!

Gefühlte 35 Liter Wasser nachgefüllt und dann mal den Motor gestartet. Vermutlich sollte ich dankend erwähnen, dass es mir wenigstens erspart blieb, das mir dabei gleich das ganze Auto um die Ohren flog… nach 10 Minuten schien noch immer alles dicht und das Wasser wurde auch nicht weniger.

Also wagte ich eine kleine absichtlich ziemlich hochtourig gefahrene Runde und bisher ist alles noch so, wie es sein sollte (wenn man vorübergehend keine Heizung mehr hat)… wenn man vielleicht mal davon absieht, dass wohl nur wenige Menschen auf diesem Planeten mit einer Rohrzange hinter dem Motor herumfummeln (wie ich das tat), war das jetzt doch alles gar kein Hexenwerk, schnell und einfach zu erledigen und es scheint auch noch zu funktionieren….

Das ist schon wieder extrem verdächtig!

Na, mal schauen, was mein Auto morgen sagt. Immerhin ist die Kiste älter als manche meiner Models… aber ich mag die kleine Dreckskarre eben und solange es irgend geht möchte ich das Ding eigentlich noch fahren…. wollen doch mal sehen, wer hier wen überlebt!

Ich schätze, wenn ich morgen bis zur Arbeit komme ohne dass der Motor Feuer fängt oder mir gleich um die Ohren fliegt, dann darf ich mich wohl bedanken.

Für heute reicht es mir jedenfalls. Ich hab noch nichts im Magen außer heute morgen einem armselig wabbeligen Ei-Brötchen (das nur deshalb geschmacklich als Ei-Brötchen zu identifizieren war, weil das Ausgabefach im Automaten entsprechend beschriftet war) und jetzt ist es 23:00 Uhr. Ich hab heute echt genug erlebt und überlege mir gerade wonach es mich mehr sehnt.. in die Küche oder ins Bett…. oder vielleicht sollte ich das eher danach entscheiden, wo weniger passieren kann (in meinem Alter ist die Frage schnell beantwortet).

Wirklich, Freunde… ich bin ein positiver Mensch, der versucht den Fokus auf den guten Dingen im Leben zu behalten und wenn das nicht klappt hilft mir meist ein sehr ausgeprägter Hang zum Galgenhumor… aber für diese Woche reicht es einfach. Es ist genug.

Dass ein Shooting für heute Abend auch nach dem 2. oder 3. Anlauf wieder ausgefallen ist, regt mich heute schon gar nicht mehr auf – abgesehen davon, dass ich den ganzen Auto-Ärger (den ich heute hatte) dann eben morgen gehabt hätte…. und leider sieht es auch so aus, als würde mein Samstagstermin auch ins Wasser fallen – dabei habe ich mich speziell auf diesen Termin schon seit Wochen gefreut.

Aber andererseits enttäuscht mich in Wahrheit meine eigene Naivität doch mehr als das Leben an sich, denn wieso erwarte ich eigentlich noch, dass der Samstag nach einer Woche wie dieser noch gut werden soll….?

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