Neues Fahrrad von Rixe

Sooo gesund (Reprise)

Eine kleine Erweiterung zu meinem letzten Beitrag, bei dem unter anderem um meine Erlebnisse als Radfahrer in Hamm vor einigen Tagen ging:

Der geneigte Leser meinen letzten Beitrages kam sicher nicht um den Eindruck herum, dass ich mit der Verkehrssituation in Hamm bezogen auf Radfahrer gar nicht besonders glücklich bin.

Umso mehr hat es mich verwundert, dass ausgerechnet direkt am Tag direkt nach meinem Blog in der regionalen Tagespresse verkündet wurde, dass die Stadt Hamm in Hinsicht auf das Rad-Klima in der Stadt einen der obersten Plätze innerhalb der Liga vergleichbar großer Städte belegt hätte „Hamm ist Spitze beim Radfahr-Klima“ (Artikel von Wa.de vom 19.05.17) und dabei ausgerechnet noch ein Bild aus der Hammer Innenstadt gezeigt wurde.

Für mich ist das (zumindest auf die Innenstadt bezogen) nicht nachvollziehbar.
Absolut nicht.

Wie das alles so unglaublich toll sein kann, wenn auch die Unfallstatistik der Polizei Hamm in 2016 eine Steigerung der Radunfälle mit Kindern 10-14 Jahre (Seite 08) aufweist und die Zahl der verunglückten Radfahrer seit 2015 nicht gesunken ist (Seite 14), muss mir dann mal jemand von den Leuten erklären, die Hamm ein so tolles Radfahrer-Klima attestieren. Meine Innenstadt-Erfahrung ist eine völlig andere.

Sicher, es mag schöne Radwege hier geben… aber die Radwegführung, Kennzeichnung (usw) scheint nur für alt eingefleischte und ortskundige Radler tauglich zu sein. Wenn ich vom östlichen Stadtrand startend überlege, wie ich in die Östingstraße zum Baumarkt komme, dann fehlt mir dazu einfach eine vernünftige und für ortsunkundige Radfahrer gut ersichtliche Beschilderung und Wegeführung.

Bekannterweise unterliegen ca. 60% der Stadtfläche von Hamm landwirtschaftlicher Nutzung. Ich hab das selbst nicht geglaubt (Stichwort „Großstadt Hamm“) und erstmal vor einigen Jahren, kurz nach meiner Ankunft hier selbst im Internet recherchiert, aber inzwischen gibt es auch einen Youtube-Clip zur 40-jährigen Geschichte von Hamm, bei dem man gleich in den ersten Sekunden beim Blick auf die Karte nachvollziehen kann, wieso das so ist.

Kurze Anmerkung dazu:
Den Clip finde ich persönlich ganz furchtbar, denn ich frage mich jedes Mal, wieso man die Außenaufnahmen unbedingt zu einer kargen und unbelaubten Jahreszeit machen musste und nicht warten konnte bis es Frühjahr oder Sommer war (???), denn so sieht das doch aus als wäre irgendwo in der Nähe ein AKW hochgegangen… aber das ist eine andere Geschichte.

Die überhaupt einzige für mich denkbare Erklärung dafür, dass Hamm angeblich so ein traumhaftes Radler-Klima haben soll, ist die, dass eben nicht allein die Innenstadt bewertet wurde, sondern vielleicht auch die Radwege außerhalb der Innenstadt – in den ganzen grünen Gebieten, die eben auch noch zum Stadtgebiet zählen. Und wie es sich dort mit den Radfahrer-Bedingungen verhält, wollte ich dann doch mal selbst herausfinden.

Die notdürftige Auto-Reparatur vor einigen Tagen war zwar erfolgreich, aber weil ich letztes Wochenende MASSIG Zeit hatte (ausgefallene Foto-Termine) und das Wetter meist nicht nach Regen aussah, folgte ich seither meiner neuen Devise „soviel als möglich mit dem Fahrrad abzuwickeln“ und fuhr die letzten Tage (mit Ausnahme von Freitag) soviel wie möglich mit dem Rad (inkl. Fahrt zur Arbeit)… damit ich mir ein besseres Gesamtbild machen kann.

In den ländlichen Gebieten der Stadt war das Radfahren dann wirklich fast so ein großer Spaß, wie in meiner ländlichen Heimat… sieht man mal von den SLKG’s, die gerade am Vatertag wohl gerne mit affenartiger Geschwindigkeit über irgendwelche Feldwege zu rasen scheinen.

SLKG = Schwanz-Längen-Kompensations-Gerät.
Übertrieben hoch motorisierte Autos mit unnötig lauten Betriebsgeräusch, die grundsätzlich so gefahren werden, als wäre Benzin noch viel zu billig und für deren zur Benutzung offensichtlich das Tragen von Baseball-Caps vorgeschrieben ist.

Nun jedenfalls wurde wegen der relativ ansprechenden Radwege außerhalb des Stadtkerns meine Vatertags-Fahrrad-Tour um ein vielfaches länger als eigentlich gedacht. Mein ursprünglich als halbstündiger kleiner Kurztrip geplanter Weg in Richtung Uentrop führte mich dann auch noch durch den Kurpark bis nach Heessen.

Entlang des Kanals und durch die großen ländlichen Gebiete von Hamm kommt man mit dem Fahrrad schon gut durch, das bestätige ich gerne. Zwar könnte auch hier die Beschilderung deutlich verbessert werden (nicht jeder hat ein Handy mit Navigation am Lenker), aber als Radfahrer kann man sich da schon wohl fühlen.

Schade ist eben nur, dass ich auf den Mais- und Rapsfeldern zwischen den Stadtteilen so wenig zu erledigen habe. Besorgungen und Erledigungen finden bei mir meist in Richtung Innenstadt statt und daher werde ich (außer auf dem Weg zur Arbeit oder zur Erholung am Wochenende) wenig davon haben, dass die Radwege außerhalb der Innenstadt viel besser sind.

Daher bleibe ich – bezogen auf die Innenstadt – absolut bei meinem schlechten Urteil zum Radfahrer-Klima… für jemand, der hier mit dem Rad noch relativ neu unterwegs ist und ohnehin ziemlich wenig Ortskenntnis hat, ist und bleibt es keine schöne Erfahrung.

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