Tempelfest 2016 am Hindu-Tempel in Hamm

Nach mindestens vier oder fünf Jahren habe ich es dieses Jahr nun endlich mal wieder nennenswert lange auf den großen Umzug des hier in Hamm stehenden „Sri Kamadchi Ampal Tempels“ geschafft.

Jedes Jahr findet in diesem hinduistischen Tempel (der zweitgrößte hinduistische Tempel in Europa) das Tempelfest zu Ehren der Göttin „Kamakshi“ statt. Dieses Feierlichkeiten dauern dann mehrere Tage, wobei der Umzug einer der Höhepunkte ist, die auch von Außenstehenden entsprechend wahrgenommen werden, denn es ist schon etwas besonderes, wenn sich quasi ein Stadtteil von Hamm plötzlich mit zehntausenden hinduistischen Gläubigen füllt.

Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © ich-blogge.de
Die Prozession wird von zehntausenden Gläubigen begleitet / © ich-blogge.de

Der Umzug erfährt dann auch ein entsprechend großes mediales Echo, wobei ich in diesem Jahr zugegebenermaßen noch mit etwas erhöhter Aufmerksamkeit teilgenommen habe, da es in den letzten Wochen gar nicht so weit entfernt (in Essen) immerhin gerade bei solchen Feiern auch schon zu religiös motivierten Anschlägen kam. Aber passiert ist heute nichts… es wäre auch ein Fehler, wenn man sich von solchen Vorkommnissen lenken lassen würde, denn damit würde man dem Terrorismus einen Sieg schenken und das wäre falsch.

Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © Foto: ich-blogge.de
Der Umzug beim Tempelfest in Hamm / © Foto: ich-blogge.de

Der Umzug fand heute bei durchwachsenem Wetter statt. Von den Temperaturen her war es zwar sehr angenehm, aber dieser Mix und kurzen Regenfällen und Sonnenphasen machte mir dann doch etwas zu schaffen. Vor allem weil ich alter Mann mich leider nicht mehr an eine wichtige Lehre aus meiner Armeezeit erinnerte („Wenn Sonne auf Regen folgt, einmal kurz die freien Hautstellen abreiben…“), habe ich nun – da insbesondere Kopf und Nacken eine zusammenhängende große freie Hautstelle sind – einen ziemlichen Sonnenbrand. Die vielen kleinen Wassertropfen auf der Haut wirkten nämlich wie tausend kleine Lupen im prallen Sonnenschein, der direkt auf den Regen kam….. und jetzt brennt die Haut echt heftig.

Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © Foto: ich-blogge.de
Beim Umzug wird ein 12 Meter hoher hölzerner Schrein von den Gläubigen durch die Straßen gezogen. / © Foto: ich-blogge.de

Nun, der Umzug gestaltete sich jedenfalls wie jedes Jahr, an dem ich bisher teilgenommen hatte, wenngleich ich den Eindruck hatte, dass ich in diesem Jahr etwas weniger fremdländische (insb. weniger britische) Autokennzeichen entdecken konnte.

Was mir immer auffällt, wenn ich am Tempelfest teilnehme, ist die große Zahl jüngerer Menschen. Sowas kenne ich als jemand, der ursprünglich mal in christlicher Tradition erzogen wurde, aus den heimischen/christlichen Veranstaltungen eben so wirklich gar nicht. Ich war in dieser Hinsicht auch wirklich überrascht wie oft ich völlig akzentfreies Deutsch hier und dort aufschnappen konnte. Da fühlt man sich als Schwabe schon etwas komisch… wenn man bei solchen Gelegenheiten merkt, dass man in der eigenen (Aus-)Sprache nicht so gut mit dem „Schriftdeutschen“ mithalten kann. 🙂

Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © Foto: ich-blogge.de
Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © Foto: ich-blogge.de

Besonders interessant beim Tempelfest ist auch der Markt, der gleich neben der Tempelanlage aufgebaut wird. Dort gibt es allerlei interessante Dinge zu kaufen. Neben Kleidung und Schmuck im indischen Stil und Früchten, von denen ich nicht einmal den Namen weiß (und die ich dummerweise vergessen habe zu fotografieren), gibt es natürlich jede Menge diverser typischer warme Gerichte…. auch wenn ich als bekennendes Weichei natürlich extrem mit der Schärfe aufpassen muss.

Auf dem Markt hab ich dann auch noch eine Einladung zu einem Event („Just Love Festival„) von „Bhakti Marga“ (einer neo-hinduistischen Bekenntnisrichtung) in der Nähe von Wiesbaden bekommen. Falls ich Zeit habe fahre ich hin um es mir mal anzuschauen… wenn ich vorher noch herausfinde, ob ich die Kamera mitnehmen darf (ich Depp habe natürlich vergessen zu fragen). Aber wie oft hat man schon die Gelegenheit sowas mal mitzuerleben? Außerdem passt es gut in mein Programm (das ich mir dieses Jahr noch vorgenommen habe) z.B. auch mal ein „Ratha Yatra“ (Wagenfest) zu besuchen.

Womit ich beim Tempelfest persönlich aber doch ein wenig ein Problem habe, sind die Männer in der Prozession, die sich Metallhaken durch das eigene Fleisch stecken oder Metallspieße durch die Wangen stoßen…. man kennt das ja eigentlich auch aus Dokumentationen und dem TV… aber ich bin einfach kein Anhänger von Selbstkasteiung (egal bei welcher Glaubensrichtung) und kann das eben persönlich nicht so wirklich nachvollziehen.

Tempelfest 2016 am hinduistischen Tempel in Hamm / © Foto: ich-blogge.de
Im Vorfeld des großen Schreins tanzen Männer mit Metalhaken im eigenen Fleisch… / © Foto: ich-blogge.de

Am späten Nachmittag nach Hause gekommen und erst einmal den Sonnenbrand verarztet bin ich erstmal ziemlich fix und alle. So ein Tag mit wechselweise Regen und Sonne und einigen Kilometern ist doch deutlich beanspruchender als gedacht. 🙂

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