The Philosophers… wer überstehts?

“Glück muss man haben!” denke ich mir als ich sehe, dass einen Film, den ich damals eigentlich gerne im Kino gesehen hätte, auf BlueRay käuflich zu erwerben war.

The Philosophers – Wer überlebt” heißt dieser Film eigentlich. Als Zusammenfassung meiner Meinung über die Zumutbarkeit dieses Films habe ich meinen Blog-Titel bewusst anders gewählt.

Ein Film war das, von dessen Trailer ich mir wirklich sehr den Mund wässrig machen lassen habe. Kein übliches apokalyptisches Endspiel… (dramatischer als in Filmen wie “2012” oder in “Knowing” kann die Welt ohnehin nicht untergehen)… keine halbverfaulten Zombies, keine Engel und auch endlich mal wieder kein Antichrist (der mir insbesondere ums Millenium herum in seiner filmemäßigen Häufung arg auf den Sack ging)…. Nein! Ein philosophisches Endzeit-Gedankenspiel darüber, was man ist, wer man sein kann (oder darf) und was aus einem werden kann und was das alles zählt (je nachdem wie sich die Situation ergibt). Klasse!

Klasse? Ne, das ist nämlich genau das, was diesem Film fehlt.

Es geht schon bei der Wahl der Location los… Jakarta (das bekanntlich in Indonesien liegt) hat doch tatsächlich einen gesamten Philo-Kurs im Studienjahrgang, der fast vollständig aus Ausländern (also Nicht-Indonesiern) besteht, die obendrein sind alle derartige aalglatte Beauty-Schnallen (auch die Kerle), dass man meinen könnte, sie wären dem Nachwuchsschauspieler-Gehege einer Zuchtstation für kalifornische Teenie-Soaps entlaufen…. sieht man vielleicht mal von Ginny Weasley ab, die wohl nach dem letzten Harry Potter Film eine Anschlussverwendung suchte.

Im krassen Gegensatz zu den lieben Studenten steht natürlich der Professor, der sich schon in der ersten Minute des Films als vordergründiges Arschloch in der Ausdrucksfähigkeit seiner Rolle vollends erschöpft hat. Viel mehr hat diese Figur an sich im Script nicht mehr beizutragen als ständig unlogische und bestenfalls nur durch seine Arschlochigkeit erklärbare Ereignisse zu liefern.

Dabei weiß man bei einem ansonsten so vorhersehbaren Film, dass bei so einem Star-Philosophen natürlich auch die deftigste Arschlochigkeit einen tieferen und womöglich sogar emotional unverarbeiteten Hintergrund hat. Wenn dieser Charakter also Los-Zettelchen auf höchst durchschaubar dramatische Weise an seine Studenten verteilt, ist schon zu Anfang des Filmes klar, dass alles seinen Sinn hat in welcher Reihenfolge die Zettel verteilt wurden – dabei ist es noch nicht einmal wichtig zu wissen, was auf den Zetteln steht.

Die Schüler erfahren dann, wer sie sind (erst später erfahren sie den “Rest” über sich) und nun stehen sie vor der Aufgabe anhand eines philosophischen Gedankenexperiments festzulegen, wer von der Gruppe nun in einen Bunker darf, der dermaßen komfortabel und wohnlich ausgestattet ist, dass ihn selbst in Friedenszeiten für eine Schweinepreis-Miete an irgendwelche Filmbonzen vermieten könnte. Natürlich war Geld da für eine Lichtdusche, eine Klangtherapie-Ecke und alles andere, was einen letztlich in der Hauptsache davon ablenken muss, dass trotz luxuriöser Ausstattung die gesamte Bunkermannschaft in jugendheimartigen Einzelbetten in einem Gemeinschaftsschlafraum mit Strafvollzugs-Charme schlafen muss. Sowas Blödes aber auch….

Bei der ersten Begehung des Bunkers denkt man sich eher an eine Celebrity-Homeshow erinnert, als an das harte Los ein Jahr (EIN Jahr um die atomare Weltvernichtung zu überstehen???) in einem Bunker eingesperrt zu sein. Wer einmal das Gefühl haben will, wie es ist, dauerhaft auf ein Leben im Bunker angewiesen zu sein, der möge sich z.B. “Der Untergang” anschauen. In diesem und fast jedem anderen Film wird dieser eigentlich SEHR ZENTRALE Aspekt (denn ein Jahr im Bunker muss man erstmal überleben!) viel besser herausgearbeitet als in diesem angeblich philosophischen Film, den ich weniger als “philosophisch” sondern eher als “besonders realitätsfremd” einstufen würde.

Nun, wie dem auch sei… jedenfalls wechselt der Film dann stets zwischen dem fiktiven Gedankenspiel und dem Hörsaal hin und her…. einen letzten (wirklich allerletzten) Rest an Vorschussglaubwürdigkeit, die man als normalintelligenter Zuschauer bereit ist bei Betreten eines Kinos (bzw. Kauf der BlueRay) vorzuschießen, verpulvert der Film dann mit den echt super-emo-traurigen “Och Menno!”-Visagen, welche die Studierenden aufsetzen, wenn ihnen gerade vom bösen Professor in den Kopf geschossen wird oder wenn sie eben mal nicht Mitglied im Bunker-Club sein durften.In den fiktiven Szenen mag das angebracht sein, es wirkt aber zweifellos lächerlich, wenn im Hörsaal dann dieses Gesichtsdrama fortgesetzt wird und es wirkt fast noch nerviger als der so offensichtlich nach vorne gedrängte Konflikt zwischen dem Professor, der hübschen und natürlich wahnsinnig emotional-tiefgründigen (und geistig natürlich viel reiferen) Studentin und ihrem neuen Freund (der vom Professor gemobbt wird).

Und zum Ende hin, da siegt natürlich die wahre Liebe in all ihrer Friedfertigkeit…. die Schülerin schwingt sich zum Meister auf und überflügelt ihren unglücklich-verbliebten Professor mit Tiefgründigkeit über den Wert des Lebens, die Bedeutung des Seins und der (vielleicht) wahren Einsicht das das reine Überleben als solches für eine philosophierende Spezies doch nicht alles ist und so siegt natürlich auch im philosophischen Experiment das platte Gute über das platte Verderbte.

Braucht man dafür einen solchen Film? Ich meine: Nein, denn das hätte man aus jedem beliebigen Actions-Streifen ebenso ableiten können, denn das Gute siegt doch immer.

Und so geht das Gedankenexperiment seine Ende zu…. der Kurs ist beendet und alle Studenten geben mit (je nach Bunkerclub- bzw. Loser-Status) vielsagendem Gesicht brav ihre Bücher beim Professor ab. Spätestens bei dieser Szene fühle ich mich nun an wirklich alte drittklassige Filme erinnert… zum Beispiel, wenn sich die gesamte Mord-Clique beim “Mord im Orientexpress” am Ende beim Finalen Sekt-Umtrunk vielsagend in die Augen schaut. Es hätte mich daher nicht gewundert, hätte sich zwischen den Studenten noch ein Hercule Poirot befunden, der mit einem engagierten “Isch bin Belgier, Monsieur!” sein Buch auf den Tisch geklatscht hätte.

Nun, machen wir weiter in der Beschreibung der Seichtheit oder des faden Geschmacks, den dieser Film hinterlässt. Was vom Professor übrig bleibt ist nichts weiter als ein kläglicher Versuch mit fiesen Unterrichtsmethoden einen Schwanzvergleich abzuhalten, was natürlich in seiner gekränkten Eigenschaft als abservierter Liebhaber seiner Schülerin begründet liegt. Damit das auch der letzte Zuschauer begreift wird diese Thematik dann noch in maximaler Weise angesprochen und ausgetreten und dabei verkommt der Professor, der vorher alles fest im Griff hatte, der CHECKER, der “Master of the Gedankenexperiment” dann zu einem Häuflein Elend, das kurz vor dem Tränenausbruch steht. Sehr fade ist das alles.

Seinen zweifelhaft krönenden Abschluß erfährt der Film dann, wenn man eigentlich als Zuschauer schon dabei ist zu überlegen, ob man gleich aufsteht oder noch den Abspann abwartet oder was man nach dem Film noch unternehmen will.

Der Film endet mit drei Szenen, die davon eingeleitet werden indem seine Schülerin ihm mitteilt, dass er ein guter Mentor sei… und so geht wieder ein Gedankenspiel vom Stapel. Zwei Szenen folgen als Möglichkeiten der zukünftigen Entwicklung direkt aufeinander: einmal beißt der Professor etwas traurig in sein Pausenbrot und in der zweiten Szene erschießt er sich. Die dritte Szene zeigt den Professor nur bis zu dem Moment, an dem er (wie in den zwei Szenen zuvor) am Schreibtisch Platz nimmt…. und aus.

Den Rest soll sich dann der Zuschauer denken… vermute ich. Das klappt aber nur, wenn dieser sich den Film bis dahin noch angeschaut hat und/oder nicht dabei eingeschlafen ist.

Ebenso wahrscheinlich wäre aber auch, dass dem Drehbuchautor einfach inzwischen selbst die Lust auf unausgegorene Gedankenspielchen vergangen ist oder vielleicht war auch gerade mal wieder ein Drehbuchautorenstreik angesagt oder das Budget war (zum Glück) am Ende. Wer weiß das schon so genau.

Ganz ehrlich: ich weiß nicht, ob es ein Buch zu dem Film gibt. Ich habe den Film nur als Zuschauer gesehen, wonach ich ihn auch bewerte. Seine Hintergründe kenne ich nicht. Doch gibt es ein Buch (was ich noch herauszufinden gedenke), dann werde ich es irgendwann lesen, wenn ich den Film verdaut habe – in der Hoffnung, dass die Vorlage zu diesem Film besser durchdacht ist als die Umsetzung in bewegten Bildern.

Die kurze und prägnante Betitelung auf dem Cover (Zitat:) “20 Studenten – 5 Orte – 1 Bunker” hätte ich, würde ich es auf eine gleichartige Formel bringen müssen, ungefähr so beschreiben: “20 nicht nachvollziehbare Stellen im Script – 5 Mal überlegen, doch lieber auf RTL oder QVC umzuschalten – 1 BlueRay die ich ganz sicher bald verschenken werde”… an jemand, der mir nicht besonders wichtig ist.

Site Footer