Mittelalterlicher Markt mit Feuer

Tschüss Mittelalter…

Wir mich schon lange genug kennt, der weiß von mir, dass ich früher ein mittelalterliches Webradio (das ziemlich erfolgreich war) und ein Mittelalter-Forum betrieben habe und mich öfters mal auf Mittelalterlichen Märkten sehen lies.

Ich gehörte aber (bis auf Ausnahmen zu ein oder zwei Gelegenheiten) nicht zu den Leuten, die in irgendeine Gewandung schlüpften… sicher, angedacht war das mal, aber letztlich war mir das zuviel Aufwand und es trug auch nicht meinen eigenen Interessen an dem Geschehen Rechnung, denn was mich hauptsächlich interessierte war die Musik und eben der Spaß den man (auch ganz ohne Alkohol) auf einem Markt haben konnte.

Wie ich gestern nun berichtet habe, habe ich meine CD-Sammlung aus Platznot ausgemistet und dabei sind auch (bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. Faun, Omnia, Qntal und Rapalje) die allermeisten Mittelalterlichen Musik-CDs der Streichung zum Opfer gefallen. Speziell dies ist im erweiterten Bekanntenkreis (eben vor allem bei jenen, die noch mitbekommen haben, mit welchen militanten Eifer ich das Webradio vorangetrieben habe) doch auch einiges Erstaunen gestoßen.

Grund genug dazu mal ein oder zwei Worte zu verlieren (auch der Einfachheit wegen, weil ich dann auf diesen Beitrag verlinken kann).

Ich habe die Zeit, die viel mit dem Thema „Mittelalterliche Märkte und Musik“ zu tun hatte, sehr genossen. Auch die Webradio-Sendungen (die ich alle noch als Sendungsmischnitt besitze) höre ich mir heute immer wieder gerne an… und das sogar sehr gerne, weil ich mich nicht mehr an jede Sendung und Playlist erinnere und mich somit einfach mal wie ein normaler Hörer fühlen kann, der auch nicht wusste, was als nächstes gespielt wird.

Dennoch, ich trauere dieser Zeit nicht hinterher. Insbesondere dem von mir betriebenen Forum nicht – nahm die Einsicht, welche Knalltüten sich teilweise in dieser Szene herumtreiben und auch noch Ernst genommen werden, doch dort ihren Anfang. Ein paar wenige hundert User hatte ich dort und der Altersdurchschnitt war deutlich im erwachsenen und teilweise fortgeschrittenem Alter…  aber das Verhalten, insbesondere die Streitigkeiten (wegen nix und wieder nix) untereinander waren zum Teil so kindisch, dass es mir echt nur Kopfschütteln machte. Vergleiche ich dazu ein anderes von mir betriebenes Forum, in dem damals über 4.000 User angemeldet waren und der Altersdurchschnitt eher im Jugend- und jungen Erwachsenenbereich lag, muss ich sagen, dass sich diese 4.000 User erwachsener miteinander beschäftigten als die 400 Mittelalter-User. Das war schon eine ziemlich ernüchternde Erkenntnis.

Ich kann bestimmte Auswüchse der Darsteller-Kultur eben einfach nicht nachvollziehen. Wenn man beginnt seine Darstellung ernster zu nehmen als sein reales Ich, dann wird es einfach bedenklich. Wenn ich mich als verkleideter Priester in ECHTEN Kirchen hinter Altaren fotografieren lasse… ich weiß nicht… ich weiß einfach nicht. Ebenso die vielen grundlosen aber mit umso mehr Nachdruck geführten Grundsatz-Streitigkeiten (z.B wenn eine Frau eine authentische weibliche Darstellung eines Mitglieds einer Burgwache um 1300 machen möchte, sich aber nicht mit der Antwort zufrieden geben will, dass es um 1300 eben keine Frauen als Stadtwachen gab und daraufhin die Sexismus-Keule schwingt)…. es ist immer wieder unbegreiflich gewesen, wie sich erwachsene Menschen so in etwas verennen können, was doch bloße Phantasie ist.

Als dann kaum jemand aus dem gesamten Userkreis noch genug Wirklichkeitsbezug außerhalb seiner eigenen Fantasiefigur hatte um über etwas wie den Song „Macht ihr den Scheissdreck, weil ihr blöd seid oder hat der Scheissdreck euch erst blöd gemacht?“ von „Eure Mütter“ noch selbstironisch schmunzeln zu können, sondern ein regelrechter Sturm der Entrüstung über soviel ketzerisches Gebaren losbrach, war mir klar, dass ich bei großen (aber innerhalb der Szene eben durchaus wahrgenommenen) Teilen dieser Menschen persönlich niemals über ein Kopfschütteln hinauskommen werde. Ich habe mich damals durchaus in der Szene gesehen, aber man muss doch auch mal über sich selbst schmunzeln können…. aber in Wahrheit könnte man genau so gut mit Mohammed-Karikaturen im Iran herumwedeln… 🙂 Dennoch muss ich leider zugestehen, dass es diese völlig in ihre Darstellung verranten Leute auch braucht, denn ohne diese total darin verannten Leute wäre die gesamte Szene auch weniger vernetzt und durchdrungen. Es ist also eine durchaus geteilte Meinung, die ich dazu habe.

Nun gut, dann war das noch das Radio. Das hat Spaß gemacht und dem trauere ich auch noch heute etwas hinterher…. aber es kostet eben auch nicht nur viel Geld (GEMA und GVL Lizenz usw), sondern vor allem auch sehr sehr sehr viel Zeit. Unter 20 Stunden die Woche kommt man selbst in guten Wochen außerhalb der Markt-Saison einfach nicht weg, wenn man es vernünftig machen will. Ich hatte damals zum Glück eine extremst verständnisvolle Freundin, die das nicht nur einfach akzeptiert hat (was an sich schon super war), sondern die mich auch noch unterstützt hat (und zwar mehr und geduldiger als man es hätte verlangen können).

Diese Zeit mit dem Radio finde ich noch heute schön. Ich habe gute Erinnerungen daran und gerade, weil mich vor allen anderen Dingen in Sachen Mittelalter eben auch die Musik interessiert, hat das Radio voll meine Interessen an dieser Sache abgedeckt. Doch es geht eben einfach zuviel Zeit drauf und in die Zeit des Radio fiel dann auch die Trennung von meiner Freundin…. Trennung bedeutet immer auch Wandel und mit dem Wandel von 7 Jahren Beziehungsleben in mein neues Single-Leben (auch wenn die Single-Phase recht kurz war) war eben auch das Radio einfach eine Sache, die mich zu sehr an früher erinnerte und wo ohne das „Wir“ einfach weniger Spaß geboten war. Immerhin war das „Mittelalter“ eine Begeisterung, die ich mit meiner Exfreundin sehr intensiv teilte und schon als ich meinen ersten Markt nach der Trennung als Single besuchte, spürte ich im Innern einfach, dass es nicht mehr das selbe war.

Es war definitiv auch mit dem Mittelalter-Feeling dann vorbei.

Seither war ich auf keinem Markt mehr. Ich hatte seither ein paar Beziehungen mit Mädels, die sicher auch gerne mal auf einen Markt gehen, aber irgendwie war das Thema „Mittelalter“ eben nicht in der Form präsent wie damals mit meiner Ex-Freundin. Meine jetzige Partnerin hat auch Erfahrungen mit mittelalterlichen Märkten, aber davon sind nicht alle besonders gut (was an der Begleitung in Verbindung mit Alkohol lag)… und so haben wir es bisher auch nicht nennenswert auf irgendwelche Märkte geschafft – es zieht mich auch nicht mehr dahin.

Was geblieben ist, das sind Unmengen von Musik-CDs, die nun in zwei Kisten verpackt sind und die nicht mehr ins Regal passten. Meine Lieblingsbands haben noch Platz gefunden und wenn ich mal Lust auf mehr habe, dann habe ich hunderte von Sendungsmittschnitten meines eigenen Radios parat…. und ich finde das reicht auch. Viele Sachen (inbesondere die Dudelsack- und Trommel-Combos) kann ich auch einfach nicht mehr hören….

So, ich hoffe ich habe nun in aller gewünschter Ausführlichkeit aber vor allem auch nachvollziehbar geschildert, wie es kommen kann, dass man auch einfach mal einer solchen Sache überdrüssig wird. Meine heutige Sicht auf das gesamte Geschehen gibt ein fremder Text, den ich schon vor Jahren auf der verlinkten Seite gefunden habe, so gut wieder, dass ich ihn euch hier zum Lesen verlinke und dies zu tun auch unbedingt empfehle: „Der Jahrtausendwende-Markt in 500 Jahren“ auf Tempora-Nostra.de . Ich wünsche viel Spaß dabei, ich schmunzle jedenfalls immer wieder dabei.

Vermisst Du denn gar nichts davon?“ hat mich eine Bekannte gestern per Chat gefragt. Doch, ein paar Sachen gehen mir schon ab… zum Beispiel die Live-Konzerte von Rapalje und das „Fallala falla la la laaa“ von Pill & Pankratz (das es aber auch schon vor meinem Abgang offiziell nicht mehr gab). Ich vermisse es auch mal an einem schönen Tag mit meiner Freundin über den Markt zu schlendern und ein wenig zu lästern (z.B. über die Gewandungssäufer oder sogenannte Barden, die in keinem Lied ohne Worte wie „Ficken“, „Pissen“ und „Saufen“ auskommen)… das geht mir schon ein wenig ab.

Außerdem denke ich sehr gerne an einzelne wirklich nette und liebe Menschen wie zum Beispiel den netten Menschen vom Lager „Tagarod“ (die sehr leckeren „Flake“ hatten), die lustigen Jungs von Capud Draconis (die uns das mit Abstand spassigste Interview lieferten) oder den sympathischen Highlander, der auf den Märkten sein „Pech“ verkaufte. Das sind Beispiele für die ganz wenigen Menschen, die mich letzten Endes doch noch mit den Marktmenschen allgemein versönen und die vermisse ich natürlich schon etwas.

Mist… jetzt hat mir das ganze Geschreibe doch wieder etwas Lust auf die Musik gemacht. Na gut, würde man mich fragen, welches Lied ich aus meiner Radio-Zeit am meisten mag, könnte ich keine einzelne Antwort geben ohne nicht mindestens 20 Songs zu nennen…. stelltvertretend dafür verlinke ich wenigstens einen Song, der auf jeden Fall zu meinen Top 20 mittelalterlich inspirierter Musik gehört… viel Spaß beim Hören.

So, nun ist aber mal gut jetzt. 🙂

P.S. Mich hat übrigens die Grippe voll erwischt. Kopf ist dicht. Ich erspare mir heute einen Korrekturdurchgang… seht selbst wie ihr damit klar kommt. 😉

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