Wer will schon Flüchtlinge?

Wer will schon Flüchtlinge? Also ich nicht. Täglich tausende neuer Fremder, die sich weder sprachlich noch gesellschaftlich oder kulturell bei uns einfügen, die uns überschwemmen und die Öffentlichkeit unsicherer machen und die uns vor allem Millionen kosten werden… Millionen von dem Geld, das ich an den Staat durch Steuern bezahle und das man lieber für die Menschen verbraten sollte, die auch dafür etwas in diesem Land geleistet haben (z.B. unsere Rentner).

Ich weiß nicht, wer von euch selbst solche Gedanken kennt. Ich gestehe, das auch bei mir solche oder ähnliche Gedanken impulsiv vorhanden waren, weil es einfach immer ein Angstthema ist, wenn man den eigenen Wohlstand gefährdet sieht.

Für diesen ersten gedanktlichen Impuls verurteile ich weder mich selbst noch andere Menschen. Wofür ich aber die Menschen verurteile ist, wenn sie es dann unreflektiert bei diesen Gedanken belassen und die Menschen sich weigern weiterzudenken als es das typisch deutsche rechtsradikale 0-8-15-Scheisse-Hirn üblicherweise tut.

Ja, ich habe auch Sorgen. Ich sorge mich um meinen Wohlstand. Sorge mich um Sicherheit und darüber, ob ich in der Fußgängerzone bald mehr Fremdsprachen höre als die eigene Landessprache. Doch was sind diese Sorgen im Vergleich zu den Sorgen, die viele Flüchtlinge haben?

Ich meine, wann würde ich selbst denn aus Deutschland fliehen? Wie schlimm müsste es in Deutschland kommen, damit ich in ein weit entferntes Land ziehe? Meine Flucht in ein Land, dessen Sprache ich nicht beherrsche, auf einer Reiseroute die ich nicht kenne, ohne Sicherheit, ohne Unterkunft und Verpflegung ohne Garantie dort jemals anzukommen…. wie schlimm müsste es in Deutschland werden, damit ich das alles auf mich nehme?

Ich glaube, wir sind uns einig: es müsste erst sehr sehr sehr schlimm werden. So schlimm, wie ich es mir aktuell sicher nicht einmal annähernd vorstellen kann. Wie dreckig muss es doch diesen Menschen in ihrem vom Krieg verwüsteten Ländern gegangen sein!

Und wie gut geht es mir selbst in Wahrheit? Sicher, es gibt immer was zu meckern. Gestern habe ich das Handy nicht bekommen, das ich mir kaufen wollte. Meine Miete wurde um 6,- Euro erhöht und nächstes Wochenende fahren manche Züge nicht und gefährden mein Wochenende. Das sind meine Problemchen und sie sind sicher nicht viel anders als bei vielen anderen Deutschen.

Wie schlecht geht es mir also wirklich im Vergleich zu den Flüchtlingen? Wie schlecht würde es mir im Vergleich zu den Flüchtlingen gehen, wenn sich mein Komfort eines Tages wirklich aufgrund der Flüchtlingslage ein wenig reduzieren würde? So gut wie uns (mir) selbst dann noch immer gehen wird, wie können wir da moralisch rechtfertigen, dass wir diese Menschen ablehnen?

Gleichzeitig schimpfen wir auf Moscheen, weil wir ja so ein unheimlich christliches Land sind und vergessen in Tagen wie diesen, um welche Menschen Christus sich bevorzugt gekümmert hat. Ich bin übrigens in keiner Kirche, ich halte nur der Gesellschaft den eigenen christlichen Gewissensspiegel vor.

Und bedenken wir doch mal wovor die Menschen aus den Kriegsgebieten fliehen? Sie fliehen auch vor deutschen Waffen, die wir zur Förderung unseres eigenen Wohlstandes lustig und teilweise illegal (mit lächerlichen Strafen, wenn überhaupt) in alle Welt verkauft haben und die dort nun zum Einsatz kommen.

Gerade wer viel durch Waffenexporte verdient hat, der sollte auch viel Verantwortung bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus den Kriegsgebieten übernehmen. Sicher, ich habe selbst noch nie eine Waffe persönlich verkauft. Du sicher auch nicht. Aber wir alle zusammen haben die Männer und Frauen gewählt, die das möglich gemacht haben und (seien wir ehrlich) solange es uns gut ging, war uns das doch auch scheissegal.

Frei von jeglicher politischer Grundeinstellung muss man doch einfach mal die Realitäten sehen und die sagen klar, dass Deutschland eine große Mitverantwortung an den Krisenherden in dieser Welt trägt. Entweder direkt durch Waffen oder indirekt, wenn es mal wieder nicht scharf genug auf Unterdrückung reagiert (übrigens auch auf Unterdrückung durch die „Westlichen Demokratien“ wie zum Beispiel die USA mit ihren Angriffskriegen).

Organisationen wie die IS und Taliban wachsen nicht ohne Grund. Für solche Idioten wurde der Boden bereitet – auch durch Europa und USA.

Nehmen wir doch mal den Herrn Baschar al-Assad in Syrien… wer erinnert sich noch, wie vor 1-2 Jahren die Medien ständig nur Böses über diesen Diktator verbreitet haben bis hin zur Meldung, er hätte Chemiewaffen eingesetzt?! „Assad muss weg“ war die Devise. Jetzt ist die IS da… und was liest man seither über den Herrn Assad? Gar nichts mehr. Assad ist kein Thema mehr, denn jetzt kann man ihn ja brauchen…. und wie lange haben wir wegen unserer Interessen an Partnern mit „stabilen politischen Verhältnissen“ oder wegen unserer Gier nach Rohstoffen manch anderes Regime gestützt?

Und wie ist das mit Afghanistan? Wer hat denen denn den Partisanenkrieg, an dem die USA jetzt so sehr knabbert, schmackhaft gemacht? OK, damals hießen sie nicht Taliban und waren die Bösen, damals hießen sie Mudschaheddin und haben gegen die Russen gekämpft… mit KnowHow und Waffen von wem? Na, ratet mal…. Aber dem Herrn Obama schustern wir in unserer westlichen Selbstzufriedenheit den Friedensnobelpreis zu… während die USA seine Kriege heute noch lustig weiterführt und seine Gefängnisse wie Guantanamo weiterhin existieren. Was für ein traurigr Witz!

Oder nehmen wir Afrika. Das Land besitzt genug Flächen um sich selbst zu ernähren und eigenen Wohlstand zu gründen. Jedoch ist es für Grundbesitzer dort viel lukrativer Früchte für Europa anzubauen, damit wir auch noch an Weihnachten frische Erdbeeren fressen können. Wen wundert es da noch, dass man dort nicht lieber Getreide für den heimischen Markt zu produziert. Und wer hält das am Laufen? Wir selbst! Durch unseren Konsum und unsere Gleichgültigkeit.

Wir haben als zur Moral befähigte Menschen, als Nation, als Gesellschaft, als Demokratie, als Wirtschaft und insgesamt als Europa so unheimlich viel Dreck am Stecken, dass wir heute vor Schande in Grund und Boden versinken müssten, wenn wir Vorbehalte dagegen anmelden, dass Flüchtlinge zu uns kommen.

Schämen sollten wir uns alle zusammen! DAS ist die Wahrheit.

Sicher, es gibt auch die Wirtschaftsflüchtlinge aus den Ländern (z.B. den östlichen Ländern Europas) die ohne Krieg und Vertreibung zu uns kommen, die keinen Anspruch auf Asyl haben und die nicht nur unsere Kapazitäten und Kassen dadurch schröpfen, sondern damit auch den Flüchtlingen aus den Ländern mit Krieg und Vertreibung die Situation in Deutschland erschweren. Ganz ohne Frage verbinden auch diese Menschen ihre Einreise in Deutschland mit der Hoffnung auf Wohlstand, sind aber in ihrer Not nicht mit Kriegsflüchtlingen vergleichbar.

Wie man Wirtschaftsflüchtlingen begegnen soll, das ist eine Frage der Politik. Wieso führt man für Einwohner der Länder, die nicht von Krieg betroffen sind, kein Botschaftsasyl ein? Asyl müsste dann in der Deutschen Vertretung im jeweiligen Land beantragt werden und eine Einreise nach Deutschland wäre nur mit genehmigten Antrag legal. Sicher, auch dieses System bietet Schwachstellen – doch es wäre ein Anfang und eben das braucht es: einen Anfang.

Ausländerheime anzuzünden und die Menschen dafür zu verurteilen, dass sie vor Krieg und Vertreibung geflohen sind, das ist jedenfalls kein Anfang…. höchstens der Anfang vom Ende einer Gesellschaft die sich noch „menschlich“ nennen darf.

Und zum guten Ende ein Wort über den Verfasser:

Ich bin weder Christ noch sonst in einer Weltreligion organisiert. Sozial aktiv bin ich auch nicht. Ich bin kein Gutmensch und ich spende so gut wie nie. Ich bin nicht Mitglied einer Hilfsorganisation oder sonst einer ähnlichen Gruppierung.

Ich bin wie ihr da draußen. Aber im Gegensatz zu vielen „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ Proleten (wie man sie nun oft hört und liest) bin ich wenigstens ehrlich genug mir Gedanken zu machen.

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